August Hanning und sein Ex-Büroleiter sollen geheime BND-Dokumente weitergegeben haben.
Der ehemalige Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), August Hanning, ist am Dienstagmorgen in seinem Haus in Nordwalde bei Münster festgenommen worden. Wie der Generalbundesanwalt bestätigte, ermittelt er gegen den 80-Jährigen wegen des Verdachts der landesverräterischen Ausspähung, des Auskundschaftens von Staatsgeheimnissen, des versuchten Landesverrats sowie der geheimdienstlichen Agententätigkeit. Parallel dazu wurde Hanning’s ehemaliger Büroleiter Manfred D. in Bayern in Untersuchungshaft genommen. Ihm wird Beihilfe zu den genannten Delikten vorgeworfen, wie das ZDF und die Zeit berichten. Die Bundesanwaltschaft leitete das Verfahren ein, nachdem bei einer Durchsuchung im Rahmen des Block-Prozesses im September 2025 brisantes Material sichergestellt wurde.
2000 geheime BND-Dokumente an Dritte verkauft
Dabei sollen rund 2.000 streng geheime BND-Dokumente aufgetaucht sein, die D. Hanning über Jahre hinweg gegen Bezahlung zugespielt haben soll. Laut Recherchen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung handelt es sich dabei unter anderem um Briefings für die wöchentliche ND-Lage im Kanzleramt, in der sich die Chefs der Sicherheitsbehörden austauschen. Die Unterlagen enthalten demnach hochsensible Informationen, etwa zum iranischen Atomprogramm oder zur russischen Armee. Die Ermittler gehen davon aus, dass Hanning die Dokumente für seine private Beratertätigkeit nutzte und möglicherweise sogar an ausländische Geheimdienste weitergab.
Weitergabe an fremden Geheimdienst unklar
Ob die Informationen tatsächlich bei den Adressaten ankamen, ist laut Generalbundesanwalt noch unklar. Während die Zeit von einer Weitergabe an einen fremden Nachrichtendienst berichtet, betonen WDR, NDR und SZ, dass es sich dabei nicht um Russland handele. Hanning bestreitet die Vorwürfe. Sein Anwalt ließ eine Anfrage zu den Vorwürfen bisher unbeantwortet. Auch der Rechtsbeistand von Manfred D.
BND-Skandal: Ehemaliger Top-Beamter unter Verdacht
äußerte sich nicht. Der BND selbst verwies auf die laufenden Ermittlungen der Bundesanwaltschaft. Der Fall wirft Fragen nach den Sicherheitsvorkehrungen im BND auf, da D. die Dokumente trotz der abgesicherten Strukturen der Behörde herausschmuggeln konnte. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, wäre dies ein historischer Skandal, da noch nie ein ehemaliger Spitzenbeamter des BND in einem solchen Ausmaß mit Landesverrat in Verbindung gebracht wurde.