Pegelstände sinken auf Rekordtiefs, Binnenschiffe fahren nur noch mit stark reduzierter Ladung.
Der Rhein hat an mehreren Messstellen historisch niedrige Wasserstände erreicht. In Düsseldorf sank der Pegel am Wochenende auf 19 Zentimeter und unterbot damit den bisherigen Rekord von 23 Zentimetern aus dem Jahr 2018, wie die NRZ berichtet. Auch in Köln und Duisburg wurden neue Tiefststände gemessen, was die Binnenschifffahrt massiv beeinträchtigt. Schiffe können vielerorts nur noch mit etwa 20 bis 30 Prozent ihrer üblichen Ladung fahren, was die Transportkosten stark in die Höhe treibt. Laut tagesschau.de kostete der Transport von Rotterdam nach Karlsruhe am Montag rund 145 bis 150 Euro pro Tonne – im Juni waren es noch 45 Euro. Der Rhein ist eine zentrale Transportachse für Getreide, Mineralien, Kohle und Ölprodukte.
Extremniedrigwasser bedroht Europas Flüsse
Die anhaltende Trockenheit und hohe Temperaturen gelten als Hauptursachen für die Niedrigwassersituation. Die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) warnt, dass die Pegelstände an Rhein, Elbe und Donau in den kommenden Tagen weiter fallen könnten, falls keine Niederschläge einsetzen. Aktuell weisen rund 44 Prozent der Rhein-Messstellen extrem niedrige Wasserstände auf, wie die tagesschau unter Berufung auf das Niedrigwasserinformationssystem Niwis mitteilt. Auch in anderen europäischen Ländern wie Ungarn und Rumänien führt das Niedrigwasser zu Einschränkungen: In Ungarn musste das Atomkraftwerk Paks erstmals seit Jahrzehnten komplett heruntergefahren werden.
NRW fordert Taskforce für Rheinschifffahrt
NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) fordert angesichts der Lage eine nationale Taskforce, um die Transportlage zu verbessern. „Wir brauchen kurzfristig Maßnahmen, um die Schifffahrt zu entlasten“, sagte er der ZEIT und der dpa. Krischer will das Thema auf die Sonder-Verkehrsministerkonferenz am Donnerstag setzen, obwohl dort eigentlich Bahntrassenpreise auf der Agenda stehen. Zudem kritisiert er, dass der Bund gestrichene Mittel für den Ausbau der Fahrrinne zwischen Krefeld und Düsseldorf nicht freigibt. Durch die Entfernung von Steinen könnte der Rhein auch bei Niedrigwasser besser schiffbar sein.
Bund plant Niedrigwasser-Konferenz in Bonn
Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) hat unterdessen zu einer Niedrigwasser-Konferenz in Bonn eingeladen, wie die tagesschau berichtet. Dabei sollen kurz- und langfristige Lösungen diskutiert werden. Seit 2022 gibt es bereits ein bundesweites Niedrigwasserinformationssystem sowie Vorhersagen für Wasserstände. Zudem fördert das Verkehrsministerium die Umrüstung von Güterschiffen, um diese bei Niedrigwasser effizienter nutzen zu können. Bisher wurden dafür 10,5 Millionen Euro an staatlichen Hilfen bereitgestellt.
Wirtschaftliche Folgen durch Niedrigwasser drohen
Ökonomen warnen vor den wirtschaftlichen Folgen. Stefan Kooths vom Kieler Institut für Weltwirtschaft schätzt, dass ein anhaltendes Niedrigwasser das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal um 0,1 bis 0,2 Prozent dämpfen könnte. Die Industrie leidet unter steigenden Transportkosten und Lieferengpässen. In Düsseldorf wurde bereits der Fährbetrieb eingestellt, da die Anlegestellen bei den aktuellen Pegelständen nicht mehr sicher erreicht werden können, wie die NRZ berichtet.