Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour (Grüne) hat die Drohung von US-Präsident Donald Trump, den Iran in der Nacht hart anzugreifen, deutlich kritisiert. In einem Interview mit dem TV-Sender "Welt" warnte er vor den Folgen eines solchen Vorgehens für die Zivilbevölkerung im Iran und für Deutschland.
Nouripour warnt vor Angriff auf Iran
Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour (Grüne) äußerte sich am Mittwoch kritisch zu der von US-Präsident Donald Trump angekündigten Möglichkeit eines harten Militärschlags gegen den Iran. „Ich weiß nicht, was der Sinn davon ist“, sagte Nouripour dem TV-Sender „Welt“. Stattdessen sei eher eine Rücksichtnahme auf die Zivilbevölkerung geboten, so Nouripour in dem Interview.
Der Außenpolitiker betonte, es sei nicht absehbar, dass die USA mit einem harten Schlag tatsächlich die iranische Seite in die Knie zwingen könnten. Es sehe vielmehr aus, „als würde man jetzt einfach versuchen, Boden gut zu machen für Verhandlungen“, sagte er dem Sender. Zugleich schränkte er ein: „Ich weiß nicht, ob das funktioniert.“
Zweifel an Wirksamkeit militärischen Drucks
Nouripour erklärte gegenüber „Welt“, es sei zwar richtig, dass man dem Regime in Teheran nicht vertrauen könne. Auf der anderen Seite sei es aber nicht realistisch, „einfach nur wahllos und willkürlich irgendwo hinbomben“ und zu sagen, der Iran werde aufgeben und die Straße von Hormus aufmachen, weil man ihn geschwächt habe.
Der Grünen-Politiker vermutet, dass Trump mit seiner Drohung vor allem ein innenpolitisches Signal setzen wolle, um in den USA nicht als Verlierer des Konflikts dazustehen. „Das aber helfe den Menschen im Iran nicht weiter“, sagte er dem TV-Sender.
Lage im Iran und Auswirkungen auf Deutschland
Nouripour beschrieb im Gespräch mit „Welt“ eine angespannte Lage im Iran. „Es gibt eine Verhaftungswelle, es gibt eine Hinrichtungswelle. Das Regime hat an vielen relevanten Kreuzungen in großen Städten Checkpoints jetzt dauerhaft installiert. Und das Internet ist weiterhin massiv gedrosselt“, erklärte er. „Das geht massiv auf die Knochen der Menschen im Iran.“
Zugleich warnte Nouripour vor wirtschaftlichen Folgen einer weiteren Eskalation. Erneute Angriffe auf den Iran würden auch in Deutschland spürbar werden, sagte er. „Es ist relativ deutlich sichtbar, dass die Ölpreise wieder ansteigen werden. Es ist sehr schnell dann wieder spürbar auch an den Zapfsäulen bei uns in Deutschland. Deshalb betrifft uns das massiv.“
