Der Dax hat am Mittwoch deutlich nachgegeben und ist unter die Marke von 25.000 Punkten gefallen. Auslöser waren Händlerangaben zufolge vor allem die geopolitischen Spannungen nach der Aufkündigung der Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran sowie stark steigende Energiepreise. Während die meisten Werte im Minus schlossen, konnten sich nur wenige Titel behaupten.
Dax rutscht deutlich ins Minus
Am Mittwoch schloss der Dax zum Xetra-Handelsschluss mit 24.897 Punkten und damit 2,2 Prozent niedriger als am Vortag. Nach einem bereits schwachen Start rutschte der Leitindex am Vormittag deutlich tiefer ins Minus. Im weiteren Verlauf konnte er einen kleinen Teil seiner Verluste nur vorübergehend abbauen.
Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst von CMC Markets, verwies auf die zugespitzte Lage im Nahen Osten. „Mit der Aufkündigung der Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran schalten die Anleger langsam in den Panikmodus“, kommentierte Lipkow laut CMC Markets. „Mit den Worten von US-Präsident Trump und den nun drohenden Taten kommen unangenehme Erinnerungen zurück. Die Ölpreise reagieren entsprechend und springen aus ihrem wochenlangen Abwärtstrend nach oben“, so Lipkow. „Der Dax setzt seinen Abwärtstrend nach dem Erreichen eines neuen Rekordhochs zu Beginn der Woche fort und rutscht wieder unter die Marke von 25.000 Punkten.“
Anleger unter Druck, Energie- und Banktitel im Fokus
Die Investoren reduzierten laut Lipkow ihre konjunkturellen Risikopositionen und versuchten, sich über Käufe von Energieunternehmen abzusichern. „Die unwägbare Situation im Nahen Osten gleicht einem kurz vor der Explosion stehenden Pulverfass. Mit einer Fortsetzung des Krieges im Nahen Osten würde eine vollkommen neue Dimension des Konflikts in der Region erreicht“, sagte der Analyst CMC Markets zufolge.
Unter starken Verkaufsdruck gerieten Lipkow zufolge auch die Banken und Immobilienwerte. „Die wieder steigenden Ölpreise verstärken die Inflationsgefahr. Das heute anstehende Sitzungsprotokoll der US-Notenbank rückt dadurch in den Fokus“, erklärte er mit Blick auf die US-Notenbank. „Sollte das Pendel auf der Sitzung in zwei Wochen bereits in Richtung Zinserhöhung ausgeschlagen haben, dürften die jetzt anziehenden Energiepreise zusätzlichen Druck auf die Notenbanker ausüben. Das Eskalationspotenzial im Iran war jedem klar, doch der Zeitpunkt kommt ungelegen.“
Inmitten der aktuellen Konsolidierung im Halbleitersektor sehe sich der Markt nach Einschätzung Lipkows nun zusätzlich steigenden geopolitischen Risiken ausgesetzt. „Die zuletzt favorisierten zyklischen Branchen könnten sich als Schuss in den Ofen herausstellen, käme jetzt ein erneuter Bremsklotz für die Konjunktur“, so Lipkow laut CMC Markets weiter. „Länger auf höherem Niveau verweilende Energiepreise würden das zarte Pflänzchen Wachstum in Deutschland austrocknen, bevor es die ersten großen Blätter bekommen hat.“
Energiepreise ziehen kräftig an, wenige Gewinner im Dax
Bis kurz vor Handelsschluss konnten sich lediglich die Papiere von Eon, Hannover Rück und BASF im Plus halten. Das Schlusslicht bildeten die Aktien von Vonovia, Heidelberg Materials und der Deutschen Bank.
Parallel zur Dax-Schwäche legten die Energiepreise deutlich zu. Eine Megawattstunde (MWh) Gas zur Lieferung im August kostete 49 Euro und damit sechs Prozent mehr als am Vortag. Das impliziert einen Verbraucherpreis von mindestens rund neun bis elf Cent pro Kilowattstunde (kWh) inklusive Nebenkosten und Steuern, sollte das Preisniveau dauerhaft so bleiben.
Der Ölpreis stieg noch stärker: Ein Fass der Nordsee-Sorte Brent kostete am Mittwochnachmittag gegen 17 Uhr deutscher Zeit 79,84 US-Dollar, das waren 7,7 Prozent mehr als am Schluss des vorherigen Handelstags.
Die europäische Gemeinschaftswährung präsentierte sich am Mittwochnachmittag etwas fester. Ein Euro kostete 1,1410 US-Dollar, ein Dollar war dementsprechend für 0,8764 Euro zu haben.
