Seit einem Vierteljahrhundert ist das Labormobil des VSR-Gewässerschutz im Landkreis Osnabrück unterwegs. In Städten und Gemeinden rund um Osnabrück konnten Bürgerinnen und Bürger ihre Brunnenwasserproben direkt vor Ort untersuchen lassen. Viele schickten ihre Proben zusätzlich per Post ein. Nun zieht die Organisation erstmals eine umfassende Bilanz: 915 Untersuchungen aus den Jahren 2001 bis 2025 zeigen, wie sich die Nitratbelastung entwickelt hat – mit gemischten Ergebnissen.
Langzeitdaten zeigen nur langsame Verbesserung
Die Auswertung macht deutlich, dass sich die Situation zwar verbessert hat, aber längst nicht im erhofften Maße. Noch immer werden in vielen Gartenbrunnen Werte gemessen, die über dem Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter liegen – obwohl die entsprechenden Vorgaben bereits seit Jahrzehnten gelten.
„Während in den Jahren 2001 bis 2005 noch 31,4 % der Brunnen den Grenzwert überschritten, waren es im Zeitraum 2021 bis 2025 immer noch 20,2 %. Besonders problematisch ist, dass der Anteil der Brunnen mit einer Nitratbelastung von über 100 mg/l im gesamten Zeitraum auf 5,6 % stieg“, erläutert Harald Gülzow, der die Nitratuntersuchungen im Kreis Osnabrück von Anfang an begleitete. „Es zeigt sich, dass die Maßnahmen in der Landwirtschaft zur Verringerung der Nitratbelastung im Grundwasser Wirkung zeigen. Allerdings ist die Nitratbelastung bisher nicht wie gehofft gesunken“, ist sein Fazit. Auch in diesem Jahr will die Organisation die Entwicklung weiter beobachten. Das Labormobil soll erneut im Kreis Station machen, die Termine werden online veröffentlicht.
Kooperation statt Technik: Erfolgsmodell in Schutzgebieten
Ein Blick auf die Ursachen zeigt deutliche Unterschiede: Besonders betroffen sind Brunnen außerhalb von Wasserschutzgebieten. Innerhalb dieser Zonen haben viele Wasserversorger früh reagiert – und neue Wege eingeschlagen. „Ihnen war klar geworden, dass sie sich nicht auf die Politik verlassen können. Die Regelungen für die Aufbringung von Dünger waren nicht ausreichend, um längerfristig den Trinkwassergrenzwert von 50 mg/l einzuhalten“, erläutert Harald Gülzow.
Statt auf teure technische Lösungen setzen viele Versorger auf Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft. Freiwillige Kooperationen, effizienterer Düngemitteleinsatz und umweltschonendere Anbaumethoden tragen dazu bei, die Belastung zu reduzieren – oft über die gesetzlichen Anforderungen hinaus.
Folgen reichen bis in die Nordsee
Doch das Problem endet nicht am Gartenzaun. Nitrat aus dem Boden gelangt in Bäche und Flüsse – und schließlich bis in die Nordsee. Dort führt die hohe Nährstoffkonzentration zu verstärktem Algenwachstum, das ganze Ökosysteme aus dem Gleichgewicht bringen kann. Für den VSR-Gewässerschutz ist deshalb klar: Die Anstrengungen müssen ausgeweitet werden. Ziel ist es, dass Brunnenwasser bedenkenlos genutzt werden kann – im Garten, für Tiere oder für Teiche. „Eine Verringerung der Nitratbelastung ist dringend nötig, um die Artenvielfalt zu fördern“, so Gülzow.
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