Mit einer ungewöhnlich zugespitzen Formulierung rechnet Focus-Chefautor Thomas Tuma in seinem aktuellen „FOCUS Briefing“ mit Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) ab. Die Stadt Osnabrück, für die der SPD-Politiker bis 2013 als Oberbürgermeister tätig war, dabei als Maßstab für die Kritik an der verfehlten Personalentwicklung der Bundeswehr.
Zentral in dem Kommentar des Chef-Autors des Focus sind aktuelle Zahlen zur freiwilligen Gewinnung neuer Soldaten. Nach Angaben Tumas hätten sich bislang lediglich 530 der rund 300.000 erstmals angeschriebenen 18-Jährigen freiwillig für den Wehrdienst verpflichtet. Das entspreche einer Quote von lediglich 0,18 Prozent.
Dazu schreibt der Focus-Chefautor: „Das ist ein Anteil von 0,18 Prozent und würde nicht mal reichen, die Vororte von Pistorius‘ Heimatstadt Osnabrück zu sichern, wenn der Russe käme.“
Scharfe Kritik an Pistorius Ausgabenpolitik
Tuma wirft Pistorius vor, dass trotz milliardenschwerer zusätzlicher Mittel zahlreiche Rüstungsprojekte stockten oder sich erheblich verzögerten. Als Beispiele nennt er unter anderem das deutsch-französische Kampfjetprojekt FCAS, den gestoppten Bau neuer Fregatten, Probleme bei der Beschaffung digitaler Funkgeräte sowie Verzögerungen bei weiteren Beschaffungsvorhaben.
Zugleich kritisiert der Autor, dass der personelle Aufwuchs der Bundeswehr deutlich hinter den selbst gesteckten Zielen zurückbleibe. Bis 2035 habe Pistorius der Nato eine Truppenstärke von 260.000 Soldatinnen und Soldaten zugesagt.
