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Der Rat der Stadt Osnabrück hat angekündigt, auf seiner Sitzung am 30.06.2026 eine „Carta zum Schutz und zur Weiterentwicklung der Grünen Finger Osnabrücks“ zu beschließen. Das dieses seit 2022 angekündigte Vorhaben nun realisiert wird, klingt zunächst positiv. Wenn man jedoch bedenkt, dass die zur Verabschiedung vorliegende Version keineswegs den Schutz gewährleistet, sondern viele „Hintertürchen“ offenhält, kann man sich fragen, warum das so sein kann?
Nicht nur, dass die Initiativen zum Schutz der Grünen Finger nicht zu Diskussionen über den eigens eingebrachten Charta-Vorschlag vom November 2025 eingeladen und dieser von Politik und Verwaltung auch nicht berücksichtigt wurde. Nur wenige Bürger wissen – und sollen es offensichtlich auch nicht erfahren – dass laut dem Stadtentwicklungsplan STUA noch fünf Baugebiete in den Grünen Fingern – Schafmarsch West, Windhorststraße / Kahle Breite, Finkenhügel, den Förderschulcampus am Friedensweg – und als sechstes Objekt den Kunstrasenplatz am Schölerberg realisiert werden sollen.
Ich frage mich, wie sich diese Doppelzüngigkeit vertreten lässt? Zum Schein anlässlich des 100-jährigen Bestehens feierlich einen Schutz proklamieren – und gleichzeitig das Gegenteil planen, nämlich in zweifellos wertvollen und für das Stadtklima wichtigen Kaltluftentstehungsgebieten und Frischluftschneisen in unersetzlich wertvollen Grünland- und Ackerflächen zuzubauen.
Spätestens nach der Hitzewelle der letzten Tage sollte das letzte Mitglied des Stadtrates wach geworden sein und den Wert der Grünen Finger für das Stadtklima erkennen. Falls die Bauvorhaben dennoch realisiert werden sollen, wird diese vorsätzliche Täuschung „kurze Beine“ haben. Schon bei der anstehenden Kommunalwahl wird man sich daran erinnern!
Alex Deitermann
