SPD-Fraktionschef Matthias Miersch hat in einem Brief an die SPD-Bundestagsabgeordneten die schwarz-roten Reformen verteidigt und seine Partei zur Geschlossenheit aufgerufen. Er wirbt darin insbesondere für die beschlossenen Einsparungen im Gesundheitssystem und warnt vor den Folgen einer Aufkündigung des vereinbarten Reformpakets.
Appell für Reformkurs und Parteieinheit
SPD-Fraktionschef Matthias Miersch verteidigt die gemeinsam mit der Union vereinbarten Reformen und ruft seine Partei zu innerer Geschlossenheit auf. Das berichtet das Nachrichtenportal T-Online unter Berufung auf einen Brief Mierschs an die SPD-Bundestagsabgeordneten.
In dem Schreiben wirbt Miersch unter anderem für die beschlossenen Kürzungen bei den Krankenkassen. „Leicht fällt uns dieser Auftrag nicht. Es lässt uns nicht kalt, wenn wir 18 Milliarden Euro in der gesetzlichen Krankenversicherung einsparen müssen.“ Dabei gehe es nicht nur um Zeilen im Bundeshaushalt. „Wir wissen, dass dahinter immer Menschen stehen“, zitiert T-Online aus dem Brief.
Warnung vor Erosion des Sozialstaats
Miersch begründet die Einschnitte mit der Notwendigkeit, den Sozialstaat zu stabilisieren. Wer den Sozialstaat abschaffen wolle, müsse dafür heute nichts tun, so Miersch. „Er muss ihn nur sich selbst überlassen und die Beiträge steigen lassen, bis sie die Menschen erdrücken.“ Aus der Forderung nach Privatisierung werde dann plötzlich ein Rettungsversprechen.
Angesichts der großen Herausforderungen in Deutschland schreibt der SPD-Fraktionschef weiter: „Viele Menschen sind zu Recht verunsichert. Es ist unsere Aufgabe, ihnen Sicherheit zu geben, zu zeigen, dass sich die Anstrengung lohnt, und was sie erwartet, wenn wir den Anstieg gemeistert haben.“
Aus seiner Sicht hat die schwarz-rote Koalition in den vergangenen Monaten „beachtliche Schritte“ erzielt: den neuen Wehrdienst, den „Bau-Turbo“ für mehr bezahlbaren Wohnraum, das Tariftreuegesetz, das E-Auto-Programm mit sozialer Komponente, die Krankenkassenreform und die Ergebnisse der Sozialstaats- und der Rentenkommission. „Das sind Erfolge, die uns nur wenige zugetraut haben.“
Kritik an Koalitionspartnern und Selbstkritik
Zugleich warnt Miersch Union und SPD davor, einzelne Punkte des Reformpakets wieder aufzuschnüren. „Reformpakete sind kein Steinbruch, aus dem sich jeder nimmt, was ihm gerade passt.“ Es sei wie bei einem Mikadospiel: „Jeder Stab hält die anderen in ihrer Lage.“ Wer einzelne Stäbe herausziehe, weil sie der eigenen Klientel nicht passten, riskiere, dass das gesamte Gefüge ins Wanken gerate. „Dieses Risiko gehen wir nicht ein.“
In dem Brief übt Miersch auch Selbstkritik. „Ja, angesichts der Haushaltslage und der demografischen Entwicklung wird es auch Belastungen geben.“ Diese Ehrlichkeit sei man den Bürgern schuldig. Diese müssten jedoch gerecht verteilt werden. „Wer viel hat, muss mehr tragen“, schreibt er nach Angaben von T-Online.
Angesichts der wachsenden Fliehkräfte in der Koalition und des Erstarkens der AfD redet Miersch seinen SPD-Abgeordneten ins Gewissen. Politische Handlungsfähigkeit erweise sich in der Krise „in der Fähigkeit zum Kompromiss“. Der SPD-Fraktionschef warnt: „Wer in einer Koalition Vereinbarungen verweigert, sorgt für Stillstand und überlässt den Sozialstaat dem Verfall und – bei einem Scheitern der demokratischen Mitte – möglicherweise Radikalen das Land.“ So schwer das beiden Seiten manchmal falle: Der Kompromiss sei das Handwerkszeug gestaltender Politik.
