Venezuelas Oppositionsführerin María Corina Machado plant die Rückkehr in ihr Heimatland. Im Interview mit dem „Spiegel“ schildert sie ihre lebensgefährliche Flucht im Dezember 2025 und gescheiterte Versuche, nach den Erdbeben im Juni 2026 zurückzukehren. Sie fordert einen demokratischen Übergang mit Reform der Wahlbehörde.
Flucht unter lebensbedrohlichen Umständen
Die 58-Jährige war im vergangenen Dezember heimlich nach Norwegen gereist, um den Friedensnobelpreis entgegenzunehmen. Im „Spiegel“ berichtete sie von den Details: „Dafür kämpfe ich, und egal was dieses Regime tut: Es kann mich nicht aufhalten. Eines Tages bin ich wieder da. Die Frage ist nicht ob, sondern nur wann“.
Laut ihrem Bericht fuhr sie „mit Sonnenbrille und blonder Perücke“ an die Küste, stieg in ein Boot und erlebte „Es war der Horror. Es schüttete und stürmte, irgendwann trieben wir völlig orientierungslos übers offene Meer. Das Navigationsgerät funktionierte nicht mehr, das Satellitentelefon auch nicht, und die Starlink-Antenne empfing kein Signal“. Als das Boot in ein metertiefes Wellental fiel, schlug sie auf einer Metallbank auf. Sie habe nicht mehr atmen können und zu diesem Zeitpunkt noch nicht gewusst, dass sie sich einen Rückenwirbel gebrochen hatte. Ein zweites Boot brachte sie nach Curaçao, von wo aus sie nach Oslo weiterflog.
Politische Entwicklungen und Rückkehrversuche
Als US-Präsident Donald Trump Venezuelas MachthaberNicolás Maduro Anfang des Jahres entführen und nach New York bringen ließ, hatte Machado gehofft, die Macht in ihrem Heimatland zu übernehmen. Die US-Regierung installierte jedoch Maduros Stellvertreterin Delcy Rodriguez.
Machado sagte, sie habe bereits nach den Erdbeben im Juni versucht, zurückzureisen. „Ich spürte, dass ich an der Seite des Volkes sein musste. Zweimal habe ich es versucht, aber es war unmöglich. Das Regime hat so entschieden. Andererseits bekam ich nicht die Unterstützung, die ich brauchte.“
Sie setzt sich für einen raschen, demokratischen Übergang ein. Wichtigstes Ergebnis wäre ein vernünftiger Fahrplan für Präsidentschaftswahlen. Dazu gehöre die Neubesetzung der Nationalen Wahlbehörde, die den gesamten Abstimmungsprozess organisiert und überwacht, mit unabhängigen, ehrbaren Personen, so wie es die Verfassung vorschreibt.