Die Kritik an der Ankündigung des designierten Bundeslandwirtschaftsministers Alois Rainer (CSU), sich für Fleischgerichte in Kindergärten und Schulen sowie für günstigeres Fleisch einzusetzen, wächst. Die ehemalige Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) mahnt mit Blick auf Ernährungsfolgekosten und Tierwohl zu mehr Zukunftsorientierung in der Politik – und verweist auf frühere Empfehlungen der sogenannten Borchert-Kommission zur Finanzierung eines tierfreundlichen Umbaus der Landwirtschaft.
Kontroverse um Fleischpolitik im Bildungsbereich
Renate Künast (Grüne), ehemalige Bundesministerin für Verbraucherschutz, übt deutliche Kritik am Vorstoß des designierten Bundeslandwirtschaftsministers Alois Rainer (CSU), der sich unter anderem für die verstärkte Aufnahme von Fleischgerichten in Kindergärten und Schulen sowie für billigere Fleischpreise ausgesprochen hatte. Im Gespräch mit dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Donnerstagausgabe) sagte Künast: „Natürlich wünsche ich dem neuen Minister schon im Interesse einer guten Ernährung für alle und guter Bedingungen für die landwirtschaftlichen Betriebe eine gute Hand bei der Ausübung des Amtes.“ Sie fügte hinzu: „Allerdings habe ich gerade das Gefühl, mit einer Zeitmaschine Jahrzehnte rückwärts gereist zu sein. Wir brauchen einen Minister, der die Weichen auf Zukunftsfähigkeit stellt, Ernährung sichert und auf die Folgekosten achtet. Stattdessen höre ich bisher nichts als ideologische Äußerungen über billiges Fleisch und dass der Markt alles regeln würde.“
Appell an verantwortungsvolles Handeln
Künast, die bereits 2013 einen „Veggie Day“ für Kantinen vorgeschlagen hatte, betonte die finanziellen und gesundheitlichen Auswirkungen mangelnder Reformen in der Ernährungs- und Landwirtschaftspolitik: „Angesichts der Milliarden auch für die Tierhaltung sowie der Milliarden-Kosten für ernährungsbedingte Erkrankungen wäre mehr Handeln statt Plattitüden angemessen“, so Künast gegenüber dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“.
Empfehlungen der Borchert-Kommission
Eine zentrale Rolle in der Debatte um die Finanzierung eines tierfreundlichen Umbaus der Landwirtschaft spielt das „Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung“, das häufig nach seinem Vorsitzenden Jochen Borchert (CDU) als „Borchert-Kommission“ bezeichnet wird. Die Expertenkommission hatte bereits 2020 in einem Gutachten eine Tierwohlabgabe von 40 Cent pro Kilo Fleisch und Wurst empfohlen. Ziel war es, damit den tierfreundlichen Umbau und Betrieb von Ställen hinreichend zu finanzieren. Bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 61,1 Kilo Fleisch pro Person in Deutschland im Jahr 2018 entspräche dies jährlichen Mehrkosten von 24,44 Euro pro Person. Bauernverbände forderten später eine Anpassung des Betrags zur Kompensation der Inflation.
Das Gremium war 2019 von der damaligen Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) eingesetzt worden. In der Kommission waren Vertreter der konventionellen und ökologischen Landwirtschaft, Umweltverbände, Verbraucherschützer und Wissenschaftler vertreten.