Forscher beobachten Ausbreitung tropischer Arten – Weiße Haie bleiben selten
Die Erwärmung des Mittelmeers führt zu deutlichen Veränderungen in der marinen Tierwelt. Während sich die Sorge vor einer Ausbreitung Weißer Haie nicht bestätigt, beobachten Wissenschaftler eine Zunahme invasiver Arten. Wie das gelbe Blatt berichtet, sind aktuell über tausend nicht heimische Arten im Mittelmeer nachweisbar, von denen sich rund achthundert dauerhaft etabliert haben. Besonders betroffen sind Küstenregionen in Griechenland, Italien und Spanien, wo tropische Arten wie der Hasenkopf-Kugelfisch oder der Rotfeuerfisch zunehmend gesichtet werden.
Klimawandel bedroht Haie im Mittelmeer kaum
Ernesto Azzurro vom italienischen Nationalen Forschungsrat CNR-IRBIM betont, dass es derzeit keine belastbaren Hinweise für eine klimabedingte Ausbreitung Weißer Haie im Mittelmeer gibt. Die vorliegenden Daten seien zu selten, um solche Hypothesen zu überprüfen, wie der Meeresbiologe auf Anfrage erklärt. Dennoch könnten alle Haiarten vom Klimawandel betroffen sein, ohne dass konkrete Vorhersagen über die Population möglich wären. Die Weltnaturschutzunion IUCN bestätigt, dass im Mittelmeer 47 Haiarten leben, die meisten davon harmlos oder menschenmeidend.
Invasive Arten zerstören Mittelmeer-Ökosysteme
Stattdessen bereiten invasive Arten den Forschern größere Sorgen. Der Rotfeuerfisch gilt als größte Bedrohung für die Ökosysteme des Mittelmeers, da er als effizienter Räuber heimische Fischbestände beeinträchtigen kann. Die beiden Kaninchenfische Siganus luridus und Siganus rivulatus verändern durch ihren Fraßdruck auf Algen ganze Küstenlandschaften und könnten felsige Meeresböden in karge Unterwasserwüsten verwandeln. In Griechenland, Zypern und der Türkei erhalten Berufsfischer bereits ein Kopfgeld für den Fang des Hasenkopf-Kugelfischs, der ein starkes Nervengift enthält.
Kugelfisch-Vergiftungen nehmen im Mittelmeer zu
Die griechische Meeresbiologin Panagiota Peristeraki sieht keinen Grund zur Panik am Strand, da der Hasenkopf-Kugelfisch Menschen normalerweise ausweicht. Dennoch warnt sie vor den Gefahren: Zwischen 2004 und 2023 wurden im östlichen Mittelmeer 144 Vergiftungsfälle dokumentiert, 27 davon endeten tödlich. Azzurro erwartet, dass sich der Trend der Ausbreitung tropischer Arten in den kommenden Jahren weiter verstärken wird, da die Erwärmung des Mittelmeers klimatische Barrieren für diese Einwanderer abschwächt.