Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) erwartet bis zum Jahresende einen deutlichen Anstieg der Inflation in Deutschland. In einer Analyse, über die die Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Mittwochausgaben) berichten, prognostiziert das IW einen Anstieg der Teuerungsrate bis Dezember auf 4,6 Prozent und warnt vor einem „kommenden Inflationsdruck“. Die durchschnittliche Inflationsrate für das Gesamtjahr 2026 würde demnach bei 3,5 Prozent liegen.
IW sieht neuen Inflationsschub durch Konflikt im persischen Golf
Zuletzt war die Inflation im März auf 2,7 Prozent angestiegen. Das IW sieht laut Analyse einen „kommenden Inflationsdruck“ (Funke-Mediengruppe). Als Hauptgrund für den prognostizierten Anstieg nennt das Institut den anhaltenden Konflikt im persischen Golf nach dem Angriff der USA auf den Iran. Danach seien die Öl- und Gaspreise ähnlich stark gestiegen wie nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine vor gut vier Jahren. Im Verlauf des Jahres 2022 war die Teuerungsrate auf über zehn Prozent geklettert und lag im Jahresdurchschnitt bei 6,9 Prozent.
Die vom IW vorgenommene Simulation des Inflationsgeschehens bis Jahresende basiert nach Angaben des Instituts auf Preiszyklen der letzten Energiekrise nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs. Die damalige Bundesregierung hatte über verschiedene Maßnahmen wie einen Tankrabatt versucht, die Preissteigerungen zu bremsen. Das IW verweist jedoch auf Unterschiede zur derzeitigen Lage: 2022 war dem Preisanstieg bereits eine erhöhte Inflation durch die Coronakrise vorausgegangen.
Mögliche Reaktion der EZB
Das IW hält nun – so wie auch 2022 – Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) für denkbar. Damals hatte die Notenbank eine Wende in der Geldpolitik vollzogen und in mehreren Schritten die Zinsen erhöht, um der Inflation entgegenzuwirken.
Markus Demary, Geldpolitik-Experte des IW, äußerte sich besorgt. Man sei erneut in einer Situation, in der Inflation mit schwachem Wirtschaftswachstum einhergehe. Aus EZB-Sicht sei das ein Zielkonflikt. Die Notenbank könne nun die Leitzinsen erhöhen und somit versuchen, die Inflation, aber damit wohl auch das ohnehin schwache Wirtschaftswachstum zu bremsen. Oder aber die Banker ließen temporär eine höhere Inflation zu, um die leichte Konjunkturaufhellung nicht zu gefährden. In jedem Fall müsste die EZB „geldpolitische Entscheidungen in einem Umfeld von hoher Unsicherheit treffen“, so Demary (Funke-Mediengruppe).
Maßnahmen der Bundesregierung und Kritik
Die Bundesregierung hatte nach dem Beginn des Kriegs der USA und Israels gegen den Iran mehrere Maßnahmen beschlossen. Unter anderem greift zum 1. Mai ein temporärer Tankrabatt. Steuern auf Diesel und Benzin sollen für zwei Monate um etwa 17 Cent pro Liter sinken. Darüber hinaus könnten Unternehmen eine steuerfrei Entlastungsprämie an ihre Beschäftigten in Höhe von 1.000 Euro zahlen.
IW-Experte Markus Demary hält die Maßnahmen nicht in allen Fällen für ausreichend. Vor allem einkommensarme Haushalte seien jetzt unter Druck. „Die Regierung sollte versuchen, diese Haushalte zu entlasten, zum Beispiel indem sie die höheren Kosten für den Weg zur Arbeit über eine höhere Pendlerpauschale abfedert“, sagte Demary (Funke-Mediengruppe).
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte für alle Autofahrer generell eine höhere Pendlerpauschale erwogen, war dafür aber auch aus den eigenen Reihen kritisiert worden.
✨ mit KI bearbeitet