Der Hausärzteverband wirft der Bundesregierung vor, beim Schutz der Bevölkerung vor den gesundheitlichen Folgen extremer Hitze zu versagen. Verbandsvertreter kritisieren fehlende konkrete Maßnahmen trotz wiederholter Ankündigungen und warnen insbesondere vor Risiken für ältere Menschen und chronisch Kranke. Angesichts der aktuellen Hitzewelle fordern sie eine bessere Finanzierung von Hitzeschutzberatung in Praxen und Pflegeeinrichtungen.
Hausärzteverband kritisiert fehlende Umsetzung von Hitzeschutz-Plänen
Der Hausärzteverband wirft der Bundesregierung ein Versagen beim Hitzeschutz vor. „Die Bundesregierung lässt die Praxen beim Hitzeschutz im Stich“, sagte die Bundesvorsitzende des Verbandes, Nicola Buhlinger-Göpfarth, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Den jahrelangen Ankündigungen, man werde das Thema Hitzeschutz endlich priorisieren, seien keine Taten gefolgt. Die Politik müsse endlich ihrer Verantwortung gerecht werden und handeln, statt sich darauf zu beschränken, immer wenn es heiß werde eine Absichtserklärung nach der anderen zu veröffentlichen.
Buhlinger-Göpfarth erinnerte daran, dass die damalige Bundesregierung bereits vor drei Jahren ein umfassendes Maßnahmenpaket zum Hitzeschutz angekündigt habe. Dazu habe auch gehört, die medizinische Aufklärung während Hitzewellen in Hausarztpraxen zu vergüten. „Bis heute ist de facto nichts passiert“, kritisierte die Verbandsvorsitzende gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Sobald der Sommer vorbei gewesen sei, sei das Thema wieder von der politischen Agenda verschwunden.
Gefährdete Gruppen und Beratungsbedarf in Praxen
Angesichts der aktuellen Hitzewelle sieht der Verband insbesondere ältere Menschen und chronisch Kranke in Gefahr. Eine strukturierte Beratung in Hausarztpraxen und Pflegeheimen sei deshalb unverzichtbar. Dabei gehe es nicht nur um allgemeine Hinweise, ausreichend zu trinken oder die Mittagshitze zu meiden. Oft müssten Medikamente überprüft oder angepasst und Patienten darüber informiert werden, wie hitzeempfindliche Arzneimittel wie Insulin richtig gelagert werden. „Das ist nicht trivial und kostet Zeit“, sagte Buhlinger-Göpfarth den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Viele Menschen seien dabei auf die Unterstützung ihrer Hausarztpraxis angewiesen.
Forderungen an Bundesregierung und Pflegeheime
Die Bundesregierung müsse die aktuelle Hitzewelle nun endlich zum Anlass für konkrete Maßnahmen nehmen, forderte die Verbandsvorsitzende. „Eine vernünftig finanzierte Hitzeschutzberatung in den Praxen wäre das Minimum.“ Gleichzeitig müssten insbesondere auch die Pflegeheime in die Lage versetzt werden, ihre Bewohner vernünftig gegen Hitze zu schützen. Bei Besuchen in Pflegeheimen zeige sich immer wieder, dass dies vielerorts nicht gewährleistet sei.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartet am Wochenende den Höhepunkt der aktuellen Hitzewelle. In mehreren Regionen Deutschlands werden Temperaturen von bis zu 40 Grad prognostiziert, wie der DWD mitteilte.
