# Hat CDU-Ministerpräsident Holocaust-Opfern mit KI-Rede gedacht? Datum: 09.06.2026 13:31 Kategorie: Deutschland & die Welt URL: https://hasepost.de/hat-cdu-ministerpraesident-holocaust-opfern-mit-ki-rede-gedacht-720755/ --- Thüringens CDU-Ministerpräsident (ehemals ‚Dr.‘) Mario Voigt steht wegen des Einsatzes Künstlicher Intelligenz bei politischen Texten in der Kritik. Und das nur kurz, nachdem ihm wegen Plagiatsvorwürfen der Doktortitel abhanden gekommen ist. Eine Recherche des Portals FragDenStaat legt nun nahe, dass KI nicht nur bei einem Gastbeitrag, sondern auch bei zahlreichen Reden des thütingischen Regierungschefs eine wichtige Rolle gespielt haben könnte – darunter auch bei einer Rede zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. Auslöser der aktuellen Diskussion war zunächst ein Gastbeitrag Voigts in der Zeitung „Die Welt“. Nachdem bekannt wurde, dass bei dessen Erstellung Künstliche Intelligenz eingesetzt wurde, verteidigte der CDU-Politiker die Nutzung entsprechender Werkzeuge als zeitgemäße Arbeitsmethode. Die Recherche von FragDenStaat geht nun deutlich weiter. Demnach sollen zahlreiche Reden und Gastbeiträge des Thüringer Ministerpräsidenten ganz oder teilweise mit Hilfe von KI erstellt worden sein. ## Analyseprogramme schlagen bei zahlreichen Reden an Die Autoren der Recherche werteten elf Reden sowie mehrere Gastbeiträge Voigts aus. Zum Einsatz kamen dabei die Analyseprogramme Pangram und GPTZero, die Hinweise auf KI-generierte Texte erkennen sollen. Nach Angaben von FragDenStaat fand Pangram lediglich bei einer der untersuchten Reden keine Hinweise auf eine KI-Erstellung. Bei neun Reden habe das System einen KI-Anteil von deutlich über 50 Prozent festgestellt. Drei Reden seien laut Analyse sogar vollständig KI-generiert erschienen. Besonders brisant ist dabei eine Rede, die Voigt am 29. Januar 2025 anlässlich eines Gedenkakts für die Opfer des Nationalsozialismus gehalten hatte. Laut FragDenStaat bewertete das Analysewerkzeug Pangram den Text als vollständig KI-generiert. Auch GPTZero habe starke Hinweise auf eine Entstehung durch Künstliche Intelligenz erkannt. ### Fragen zur Authentizität politischer Reden des CDU-Politikers In der Recherche werden mehrere Formulierungen aus der Gedenkrede als typisch für KI-generierte Sprache beschrieben. Dazu zählen nach Darstellung der Autoren allgemeine Sprachbilder sowie wiederkehrende Formulierungen, die sich später in anderen Reden des Ministerpräsidenten nahezu wortgleich wiederfinden sollen. Die Thüringer Staatskanzlei bestätigte gegenüber FragDenStaat grundsätzlich den Einsatz von KI-Systemen bei der Erstellung von Reden und Texten. Eine Sprecherin erklärte demnach, die Systeme würden „unterstützend bei der Erstellung von Reden, Texten und Beiträgen eingesetzt“. Die Staatskanzlei betonte zugleich, Künstliche Intelligenz werde nicht als Ersatz menschlicher Arbeit verstanden, sondern als modernes Hilfsmittel. ### Hat Voigt mit KI einfach Zitate von Wissenschaftlern erfunden? Neben den Reden untersuchte FragDenStaat mehrere unter dem Namen des Ministerpräsidenten veröffentlichte Zeitungsbeiträge. Besondere Aufmerksamkeit richtet sich dabei auf einen Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung aus dem Jahr 2025. Darin werden verschiedene Wissenschaftler zitiert. Nach Angaben der Recherche konnten die Autoren die verwendeten Zitate jedoch nicht in Veröffentlichungen der genannten Wissenschaftler nachweisen. Ein von FragDenStaat kontaktierter Wissenschaftler äußerte demnach Zweifel daran, die ihm zugeschriebene Aussage jemals in dieser Form gemacht zu haben. Die Recherche verweist in diesem Zusammenhang auf ein bekanntes Problem generativer KI-Systeme: sogenannte Halluzinationen. Dabei werden Inhalte, Quellen oder Zitate erzeugt, die plausibel erscheinen, tatsächlich aber nicht existieren. ### Dienstanweisung gilt nicht für Mario Voigt? Für zusätzliche Diskussion sorgt die Frage, ob der Einsatz von KI bei offiziellen Reden und Gastbeiträgen gekennzeichnet werden müsste. FragDenStaat verweist auf eine Muster-Dienstanweisung des Thüringer Digitalministeriums. Demnach sei die Nutzung von KI bei der Erstellung von Reden grundsätzlich zulässig. Gleichzeitig werde empfohlen, Veröffentlichungen entsprechend kenntlich zu machen und das verwendete System offenzulegen. Eine solche Kennzeichnung fand sich nach Angaben der Recherche weder bei den untersuchten Gastbeiträgen noch bei den Reden des Ministerpräsidenten. Die Staatskanzlei widersprach dem Vorwurf einer Pflichtverletzung und erklärte laut FragDenStaat, es gebe keine generelle Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Texte. --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück