Handwerkspräsident Jörg Dittrich fordert von der Bundesregierung deutlich umfangreichere Einsparungen in der gesetzlichen Krankenversicherung als bislang vorgesehen. Der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) pocht auf tiefgreifende Strukturreformen, um die Lohnzusatzkosten zu senken und das lohnintensive Handwerk zu entlasten.
Handwerk verlangt konsequentere Sparpolitik
Jörg Dittrich kritisiert die bisherige Linie der Bundesregierung bei den Reformen im Gesundheitswesen als unzureichend. „Halbherzige Schritte bringen uns nicht weiter“, sagte Dittrich der „Welt am Sonntag“. Die Finanzkommission Gesundheit habe im März Sparmaßnahmen mit einem Volumen von 40 Milliarden Euro präsentiert, aufgegriffen worden seien davon nur 16 Milliarden Euro. Die vorgeschlagenen Einsparungen seien notwendig, um die Beiträge spürbar zu senken, so Dittrich. Tiefgreifende strukturelle Eingriffe seien jetzt unvermeidbar.
Die Lohnzusatzkosten lägen bereits bei knapp 43 Prozent, Tendenz weiter steigend. „Wir brauchen dringend das politische Ziel, wieder in Richtung 40 Prozent zu kommen“, sagte der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) der „Welt am Sonntag“. Das lohnintensive Handwerk leide unter steigenden Sozialbeiträgen besonders.
Bewertung der Rentenvorschläge und Minijobs
Die Vorschläge der Rentenkommission lobte Dittrich grundsätzlich. Auch die Abschaffung der abschlagsfreien Rente für besonders langjährig Versicherte sieht er positiv. „Es war der falsche Reflex, aus jedem Einzelfall eine Regel für alle zu machen. Von daher unterstütze ich die Abschaffung der Rente mit 63“, sagte Dittrich, der einen Dachdeckerbetrieb in Dresden führt, der „Welt am Sonntag“. Allerdings würden die Vorschläge in der aktuellen Krisenlage kein Wachstum schaffen.
Kritisch äußerte sich Dittrich zum empfohlenen Aus für Minijobs. „Da habe ich die Sorge, dass eine Abschaffung Schwarzarbeit fördert“, sagte er der „Welt am Sonntag“. Über die kleine Gruppe, die dauerhaft nur Minijobs annehme und später auf die Unterstützung der Gemeinschaft angewiesen sei, könne man reden. Aber deshalb gleich alle Minijobs abzuschaffen, wäre aus seiner Sicht falsch. Viele Minijobber seien Studenten oder Menschen mit einem Hauptjob, die sich etwas dazuverdienen wollten.
Streit um Steuerbonus für Handwerkerleistungen
Zur Verteidigung des umstrittenen Steuerbonus für Handwerkerleistungen habe sein Verband dem Finanzministerium vorgeschlagen, eine Bagatellgrenze einzuführen und den Bonus digital abzuwickeln, um Verwaltungskosten zu sparen, sagte Dittrich der „Welt am Sonntag“. Zudem könne man zum Beispiel gesetzlich vorgeschriebene Prüfleistungen wie beim Schornsteinfeger herausnehmen. Es gebe keinen Grund, warum diese Ausgaben steuerlich absetzbar sein sollten.
Die Abschaffung des Steuerbonus hatte in der Vergangenheit unter anderem der Bundesrechnungshof gefordert, da das Ziel der Bekämpfung von Schwarzarbeit nicht erreicht worden sei, berichtete die „Welt am Sonntag“.
