Der Chef der Wirtschaftsvereinigung der Grünen, Karl Haeusgen, befürwortet eine neue Steuer auf sehr große Vermögen in Deutschland. Eine solche Mindeststeuer könnte aus seiner Sicht ein Beitrag zu mehr Steuergerechtigkeit und gesellschaftlichem Zusammenhalt sein. Zugleich grenzt sich Haeusgen von der Politik der Bundesregierung und von Teilen der Union ab und wirbt um enttäuschte FDP-Anhänger sowie Unternehmer mit „grünem Herz“.
Forderung nach Mindeststeuer auf große Vermögen
Der Chef der Wirtschaftsvereinigung der Grünen, Karl Haeusgen, spricht sich für eine Besteuerung von sehr reichen Menschen in Deutschland aus. „Ich persönlich würde eine Mindeststeuer auf große und sehr große Vermögen befürworten, also ab etwa 100 Millionen Euro Vermögen“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“ (Mittwochausgabe).
Diese Mindeststeuer könnte nach den Worten Haeusgens etwa zwei Prozent im Jahr betragen. Wenn man davon ausgehe, dass sich große Vermögen um bis zu sechs Prozent im Jahr vermehrten, müsse das auch nicht aus der Substanz bezahlt werden, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“.
Haeusgen plädierte zudem dafür, dass inländisch bezahlte Kapitalertrag- und Einkommensteuern verrechnet werden können. Das würde die Steuerehrlichkeit im Inland befördern. „Das wäre smart und fair, und es wäre das Gegenstück zu Leistungskürzungen auf der anderen Seite. Das ist wichtig für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, und der ist auch ein Standortfaktor“, sagte Haeusgen der „Süddeutschen Zeitung“. Der Mitinhaber einer großen mittelständischen Firma mit etwa einer halben Milliarde Euro Umsatz könnte nach eigenen Angaben selbst von einer solchen Besteuerung betroffen sein.
Neue Zielgruppen für Wirtschaftsvereinigung der Grünen
Haeusgen war von 2020 bis 2024 Präsident des konservativen Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) und ist seit Mitte 2025 zusammen mit Marie-Luise Wolff Vorsitzender der Wirtschaftsvereinigung der Grünen. Er richtet den Blick auch auf neue Wählergruppen. „Wir als Wirtschaftsvereinigung wollen attraktiv sein für enttäuschte FDP-Anhänger“, sagte Haeusgen der „Süddeutschen Zeitung“.
Außerdem wolle man attraktiv sein für unabhängige Unternehmer, „die ein grünes Herz haben und die die aus meiner Sicht unverständliche klimafeindliche Politik der Bundesregierung nicht mittragen wollen“. Es gehe um „Menschen, die liberal sind und sich an dem mitunter rechtsreaktionären Touch von Teilen der Union stören“, so Haeusgen in der „Süddeutschen Zeitung“.
Kritik an Mineralölsteuersenkung der Bundesregierung
Haeusgen kritisierte auch die jüngsten Entscheidungen der Bundesregierung im Zusammenhang mit den höheren Spritpreisen. Die allgemeine Mineralölsteuersenkung sei nicht zielgerichtet, sondern „Hilfe mit der Gießkanne“, erklärte er der „Süddeutschen Zeitung“. „Demjenigen, der mit seinem Range Rover am Wochenende nach Kitzbühel fährt, ist der Benzinpreis eigentlich egal, aber er profitiert jetzt trotzdem.“ Richtiger wären aus seiner Sicht Maßnahmen, um „Stück für Stück aus dieser fossilen Abhängigkeit herauszukommen“.
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