Niedrige Füllstände und steigende Preise belasten Verbraucher
Die deutschen Gasspeicher sind aktuell nur zur Hälfte gefüllt – ein historischer Tiefstand für diese Jahreszeit. Laut dem europäischen Verbands der Gasinfrastrukturbetreiber (GIE) lag der Füllstand am 17. August bei 50,06 Prozent, während er vor einem Jahr noch bei knapp 67 Prozent lag. Auch im europäischen Vergleich sind die Speicher deutlich leerer als im Vorjahr, wie der Spiegel unter Berufung auf GIE-Daten berichtet. Die Vereinigung der Fernleitungsnetzbetreiber Gas (FNB-Gas) warnt, dass die gesetzliche Vorgabe von 80 Prozent Füllstand zum 1. November kaum noch zu erreichen sei, selbst bei maximaler Einspeicherung von bis zu 1,2 Terawattstunden pro Tag. Der NDR bestätigt, dass die Speicher aktuell etwa 26 Prozentpunkte weniger gefüllt sind als im Mittel der Jahre 2017 bis 2021. Grund dafür sei, dass im vergangenen Jahr deutlich weniger Gas eingelagert wurde, da die Vorgaben für den Mindest-Füllstand gelockert wurden. Seit Ende des Winters leeren sich die Speicher zwar nicht mehr, doch die Füllstände steigen nur langsam an.
Blockade am Persischen Golf treibt Gaspreise hoch
Die niedrigen Füllstände sind auch eine Folge der aktuellen geopolitischen Lage. Die wegen des Iran-Kriegs blockierte Straße von Hormus erschwert den internationalen Transport von Gas und Öl, was die Preise in die Höhe treibt. Wie der BR berichtet, sind die Endkundenpreise seit Ausbruch des Konflikts am Persischen Golf um rund zehn Prozent gestiegen. Die Bundesnetzagentur warnt vor einer Verschärfung der Lage, falls der Konflikt länger andauert. Gleichzeitig betont das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE), dass die Gasversorgung in Deutschland stabil sei und keine Mangellage zu erwarten sei. Dennoch gebe es eine „hohe Nervosität“ im Ministerium, wie der Focus unter Berufung auf den Tagesspiegel schreibt.
Heizkosten könnten um 20 Prozent steigen
Für Verbraucher könnten die niedrigen Speicherstände und die steigenden Großhandelspreise teuer werden. Laut dem Vergleichsportal Verivox drohen Haushalten höhere Heizkosten von bis zu 20 Prozent, wenn die Preise im Großhandel auf ihrem jetzigen Niveau bleiben. Seit Anfang März sind die Preise für Neukundenverträge von etwa acht auf zehn Cent pro Kilowattstunde gestiegen. Ein Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden müsste dann rund 400 Euro mehr zahlen. Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, rät Verbrauchern, ihre Verträge zu prüfen und gegebenenfalls zu wechseln, um sich vor steigenden Preisen zu schützen, wie der Spiegel berichtet.
Gasmarkt nach Ukraine-Krieg komplett umgestellt
Die aktuelle Situation zeigt auch, wie sehr sich der Gasmarkt seit dem Ukraine-Krieg verändert hat. Deutschland bezieht kein russisches Pipeline-Gas mehr, stattdessen haben die Importe aus Norwegen, den USA und europäischen Nachbarn zugenommen. LNG macht mittlerweile rund zehn Prozent der deutschen Gas-Importe aus, wie der BR erklärt. Allerdings ist der Transport von LNG technisch aufwändiger und teurer. Energieexperten gehen davon aus, dass Deutschland mit einer Kombination aus LNG, Pipeline-Gas und Gas aus Speichern über einen milden Winter kommt. Sollte der Winter jedoch kälter werden, müsste mehr Gas zugekauft werden, was die Preise weiter in die Höhe treiben könnte.