Trotz Senatsveto: Gesetz zur Sterbehilfe wird verabschiedet
Frankreichs Nationalversammlung hat ein Gesetz zur Legalisierung des assistierten Suizids verabschiedet. Damit setzt sich das Parlament über den Widerstand des Senats hinweg, der das Vorhaben zuvor abgelehnt hatte. Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, wurde der Entwurf mit einer deutlichen Mehrheit angenommen, obwohl die Debatte im Land weiterhin kontrovers geführt wird. Der Senat hatte das Gesetz im Mai dieses Jahres blockiert, was zu einer politischen Pattsituation führte. Die Nationalversammlung nutzte nun ihre verfassungsmäßige Möglichkeit, den Text ohne Zustimmung der zweiten Kammer zu verabschieden.
Frankreich legalisiert Sterbehilfe ab 2027
Laut einem Bericht von Euronews handelt es sich um einen historischen Schritt, der Frankreich in die Reihe der Länder einreiht, die Sterbehilfe unter bestimmten Bedingungen ermöglichen. Das Gesetz sieht vor, dass volljährige, unheilbar kranke Menschen unter strengen Auflagen Zugang zu tödlichen Medikamenten erhalten können. Die Regelung soll ab 2027 in Kraft treten und zunächst auf eine Probephase von fünf Jahren beschränkt sein.
Kritiker warnen vor Würdeverlust durch Sterbehilfe
Kritiker, darunter viele konservative Politiker und Vertreter der katholischen Kirche, warnen vor den Folgen einer solchen Regelung. Sie argumentieren, dass der assistierte Suizid die Würde des Lebens untergrabe und zu einem gesellschaftlichen Druck auf schwerkranke Menschen führen könnte. Befürworter betonen hingegen das Recht auf Selbstbestimmung und die Möglichkeit, ein Leben in Würde zu beenden.
Franzosen gespalten über Sterbehilfe-Gesetz
Die Diskussionen in Frankreich spiegeln die gespaltene Haltung in der Bevölkerung wider. Umfragen zeigen, dass eine Mehrheit der Franzosen die Legalisierung unterstützt, während eine nicht unerhebliche Minderheit die Entscheidung ablehnt. Die Regierung unter Präsident Emmanuel Macron hatte das Vorhaben als Teil einer modernen Gesundheits- und Sozialpolitik beworben.
Verfassungsrat könnte Sterbehilfe stoppen
Der Weg zur Umsetzung des Gesetzes ist damit jedoch noch nicht vollständig geebnet. Gegner kündigten bereits an, den Verfassungsrat anzurufen, um die Vereinbarkeit mit der französischen Verfassung prüfen zu lassen. Sollte dieser das Gesetz für verfassungswidrig erklären, könnte der Prozess erneut von vorne beginnen.
