Container auf dem Schulhof, Unterricht an 13 Standorten und eine Personalversorgung, die nach Angaben der Schule längst nicht ausreicht: Bei einer Hospitation an der Montessori-Schule Osnabrück machte sich Vertreterinnen und Vertreter der CDU ein Bild von einer Situation, die Schulleitung und Eltern als dauerhaft untragbar beschreiben. Zuvor waren bereits die SPD und Grünen vor Ort.
CDU hospitiert an der Montessori-Schule
An der Hospitation nahmen unter anderem Christian Fühner, Mitglied des Niedersächsischen Landtages, die Landtagsabgeordnete und CDU-Ratsfrau Verena Kämmerling sowie die CDU-Ratsmitglieder Petra Knabenschuh und Brigitte Neumann teil. Im Austausch mit Schulleiter Benno Schomaker und Brigitte Pelkmann vom Schulelternrat wurde deutlich, wie groß der Druck auf die Schule inzwischen ist.
Die räumliche Situation ist dabei nur ein Teil des Problems. Die Montessori-Schule hat zu wenig Platz, das Gebäude entspricht nicht mehr den aktuellen Standards. Seit 2009 werden Klassen in Containern auf dem Schulhof untergebracht — ursprünglich als Übergangslösung gedacht. Mittlerweile ist der Neubau für einen Förderschulcampus zwar beschlossen, doch bis sich die Lage tatsächlich verbessert, bleibt die Schule auf Übergangslösungen angewiesen.

Beim Rundgang durch die Schule wird auch über den geplanten Neubau gesprochen – außerdem machen sich die CDU-Politikerinnen und Politiker einen Eindruck in den Klassen und kommen ins Gespräch. / Foto: Hannah Meiners
Personalmangel als zentrales Problem
Das zentrale Problem ist aus Sicht der Schule jedoch der Personalmangel. Die Unterrichtsversorgung liegt nach Angaben der Schule aktuell nur bei 83 Prozent. Derzeit fehlen 15 pädagogische Fachkräfte, für das kommende Schuljahr rechnet Schomaker sogar mit einem Defizit von 18 Vollzeitstellen. Grund dafür seien unter anderem drei zusätzliche Klassen. „Mir fehlen jede Woche 1.000 Stunden Personal“, machte der Schulleiter deutlich.
Trotzdem wolle die Schule keinen Aufnahmestopp. „Die Eltern und Kinder brauchen uns und wir machen alles möglich, was geht. Wir sind aber schon über dem Limit und bekommen keine weitere Unterstützung“, sagte Schomaker. Viele Kinder, die die Montessori-Schule besuchen, kämen in Inklusionsklassen an Regelschulen nicht zurecht und seien auf das besondere System der Schule angewiesen.
Was der Mangel im Alltag bedeutet
Im Schulalltag hat der Personalmangel bereits konkrete Folgen. Weil Fachkräfte fehlen, müssen Therapeutinnen und Therapeuten im Unterricht aushelfen. Dadurch fallen Individualtherapien aus, obwohl viele Schülerinnen und Schüler auf diese Angebote angewiesen sind. In den unteren Klassen sei eine Doppelbesetzung besonders wichtig, in mittleren und oberen Klassen stünden Fachkräfte deshalb aber häufiger allein vor Gruppen. „Dann ist Unterricht nicht mehr möglich“, weiß Schomaker.
Besonders deutlich wurde der Schulleiter bei der Frage, was der Mangel für die Qualität der Arbeit bedeutet. „Mit dem aktuellen Personalmangel werden wir zur Verwahrungsstelle für die Kinder und können dem Bildungs- und Erziehungsauftrag nicht nachkommen. Ich sage es ganz deutlich: Ja, die Qualität leidet.“ Deshalb reichten Fachkräfte der Montessori-Schule im Frühjahr 2026 eine offizielle Überlastungsklage beim Landesamt für Schule und Bildung ein.
Kinder sind auf individuelle Unterstützung angewiesen
Der Bedarf steigt nach Einschätzung der Schulleitung weiter. Besonders in den unteren Klassen kämen zunehmend Kinder mit mehrfachen Einschränkungen und hohem Unterstützungsbedarf an. Auch die Zahl der Kinder mit Autismus-Spektrum-Störung nehme zu. Gerade diese Kinder seien auf Fachkräfte, feste Strukturen und individuelle Unterstützung angewiesen.
Viele Kinder, die an der Montessori-Schule aufgenommen werden, könnten im Regelschulsystem nicht ausreichend unterstützt werden. Aus Sicht der Schule zeigt das: Die Montessori-Schule ist für viele Familien kein Ausweichort, sondern ein notwendiger Lern- und Lebensort.
Montessori-Schule lebt Inklusion
Gleichzeitig versteht sich die Montessori-Schule nicht als Gegenmodell zur Inklusion. Nach Angaben der Schule werde Inklusion dort im Alltag gelebt. Schülerinnen und Schüler gingen in bestimmten Jahrgängen auch in allgemeine Schulen und Berufsschulen, um Austausch und Teilhabe zu ermöglichen.
Die Schule sieht sich damit nicht außerhalb eines inklusiven Bildungssystems, sondern als Teil davon. Gerade deshalb sorgt die geplante Änderung des Niedersächsischen Schulgesetzes bei Eltern und Schule für Sorge.
Große Kritik an Schulgesetznovelle
Parallel zur angespannten Lage vor Ort sorgt auch die geplante Schulgesetznovelle für Kritik. Elternvertreter in ganz Niedersachsen befürchten, dass Förderschulen dadurch aus dem inklusiven Schulsystem herausgedrängt werden könnten. Kritisiert wird unter anderem, dass künftig stärker zwischen einzelnen Förderschwerpunkten unterschieden werden soll. Für Kinder mit mehreren Unterstützungsbedarfen könne das problematisch werden, weiß auch Pelkmann mit ihrer Erfahrung als Elternrätin an der Montessori-Schule.
Sie betont, dass aus Elternsicht damit ein Rückschritt drohe: Statt individuell auf Kinder und Familien zu schauen, könnten formale Kategorien stärker darüber entscheiden, welche Schule ein Kind besuchen darf. Die Sorge lautet, dass Familien dadurch stärker auf Diagnosen angewiesen wären, um überhaupt den passenden Schulplatz zu bekommen.
CDU-Reaktion: Förderschulen politisch zu wenig im Blick
Auch die Vertreterinnen und Vertreter der CDU zeigten sich bei der Hospitation alarmiert. Fühner sagte: „Man muss ehrlich sagen: Die Politik hat die Förderschulen zu wenig im Blick. Das muss sich wieder ändern und alle Schulen müssen gleichberechtigt behandelt und betrachtet werden.“ Hier finde aktuell keine faire politische Betrachtung statt, so Fühner weiter. Die Politik habe in diesem Bereich einen weiten Weg vor sich.
Osnabrücker Stadtrat-Abgeordnete Knabenschuh und Neumann sind nach eigenen Angaben mit den Zuständen an der Montessori-Schule bereits seit Jahren vertraut und hatten sich auch für den Neubau des Schulgebäudes eingesetzt. Dennoch wurde bei der Hospitation deutlich: Der Neubau allein löst die akuten Probleme der Schule nicht. Neben mehr Raum braucht es vor allem mehr Personal.
SPD und Grünen zeigten Verständnis, wurden aber nicht aktiv
Zuvor hatten bereits Vertreterinnen und Vertreter von SPD und Grünen die Montessori-Schule besucht. Nach Angaben von Schulelternrätin Pelkmann hätten beide Parteien die angespannte Lage zwar anerkannt, konkrete politische Zusagen seien aus Sicht der Eltern jedoch ausgeblieben.
Die Grünen verwiesen demnach unter anderem auf bereits geschaffene Stellen und regten einen Runden Tisch für eine stärkere regionale Vernetzung an. Volker Bajus, Grünen-Ratsmitglied und Landtagsabgeordneter, teilte auf Facebook ein Statement. Er kritisiert die schlechte Unterrichtsversorgung, den fehlenden Ganztag und hohe Elternbelastung. „Es muss sich etwas ändern“, sagt erdenklich. Die Planungen für einen neuen Förderschulcampus in Osnabrück unterstützen die Grünen.
Die SPD holte nach dem Besuch eine Stellungnahme aus dem Kultusministerium ein, die den Personalmangel an der Schule bestätigte. Eine persönliche Stellungnahme von Frank Henning, SPD-Ratsmitglied und Landtagsabgeordneter, und Landtagsabgeordneter Kirsikka Langsmann blieb aus. Aus Sicht der Eltern bleibt das jedoch deutlich hinter den Erwartungen zurück. Pelkmann kritisierte vor allem, dass eine klare eigene politische Positionierung fehle. André Klekamp, schulpolitischer Sprecher der Osnabrücker SPD-Ratsfraktion, hingegen bezog im Gespräch mit der NOZ deutlich Stellung: Die vom Land zugesicherten 1,2 Stellen mehr ab dem Schuljahr 2026/2026 seien ein Armutszeugnis unter den Bedingungen an der Montessori-Schule. Er zeigt sich empört, dass die Förderschule nicht vom Startchancenprogramm profitiere.
Ernüchterung an der Montessori-Schule nach mehreren Besuchen
Nach mehreren politischen Besuchen bleibt an der Montessori-Schule deshalb Ernüchterung zurück. Die Situation sei nicht nur für Fachkräfte sowie Schülerinnen und Schüler eine Zumutung, sondern auch für die Eltern und Fachkräfte.
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