Neue Beweisanträge und Widersprüche in der Vernehmung von Gina H.
Im Mordprozess um den achtjährigen Fabian vor dem Landgericht Rostock zeichnet sich eine mögliche Verlängerung ab. Wie der NDR berichtet, könnte der Prozess um bis zu fünf Tage bis in den Oktober hinein ausgedehnt werden. Grund dafür seien neue Beweisanregungen und -anträge, die eine genauere Aufklärung erfordern. So will die Verteidigung unter anderem ein Gutachten zur Dauer des Brandes einholen, nachdem der Leichnam von Fabian angezündet wurde. Dies sei entscheidend für die Frage, ob die Angeklagte Gina H. als Täterin infrage kommt. Zudem deuteten ihre Verteidiger an, dass sie vorerst keine Fragen zu ihrer vierstündigen Einlassung vom vergangenen Montag beantworten werde. Ihr Gemütszustand habe sich seit der Aussage stark verändert, wie Rechtsanwalt Thomas Löcker erklärte. Ihr sei nun bewusst, was in dem Verfahren für sie auf dem Spiel stehe.
Gina H. ändert Aussage zu Tatortbesuch
Am 23. Verhandlungstag wurde eine Videoaufnahme der Vernehmung von Gina H. vom 14. Oktober vorgespielt. Darin gab sie zunächst an, den Leichnam Fabians zufällig während eines Spaziergangs mit einer Freundin bei Klein Upahl entdeckt zu haben. Im Laufe der Befragung räumte sie jedoch ein, bereits in der Nacht zuvor mit einem Bekannten am Tatort gewesen zu sein. Dass sie auch mit einem zweiten Freund dort war, verschwieg sie zunächst, wie der NDR weiter berichtet.
Staatsanwaltschaft nennt konkretes Mordmotiv
Die Staatsanwaltschaft wirft Gina H. vor, Fabian am 10. Oktober 2025 aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow gelockt und an einem Tümpel bei Klein Upahl erstochen zu haben. Später soll sie zurückgekehrt sein, um den Leichnam anzuzünden. Als Motiv wird angeführt, dass sie Fabian als Hindernis für eine Versöhnung mit seinem Vater ansah, von dem sie sich zwei Monate vor der Tat getrennt hatte.
Die zentralen Punkte im Überblick
Die Anwältin von Fabians Mutter, Christine Habetha, äußerte sich kritisch zu Gina H.s Aussage. Diese habe sich in ihrer Opferrolle gesuhlt und versucht, belastende Zeugen zu diskreditieren, wie t-online berichtet. Habetha zeigte sich wenig überrascht von der Einlassung der Angeklagten und betonte, dass deren Verhalten im Prozess keine Entlastung bringen werde.
Prozess endet mit Urteil im September
Am kommenden Freitag soll ein weiterer Zeuge aus dem familiären Umfeld von Gina H. vernommen werden. Zudem steht die Frage im Raum, ob die Angeklagte doch noch Fragen zu ihren bisherigen Aussagen beantworten wird. Die nächsten Prozesstage sind eng getaktet: Am 1. September soll ein Psychiater sein Gutachten vorstellen, am 3. September könnten die Plädoyers folgen, und am 10. September könnte das Urteil gesprochen werden.