Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisiert die Ausgestaltung des neuen Familientickets der Deutschen Bahn. Zwar sei die Grundidee gut, bemängelt Verbandschef Lukas Iffländer, doch komme das zeitlich begrenzte Aktionsangebot für viele Familien deutlich zu spät. Zudem gehe das Ticket an den Bedürfnissen jener vorbei, die für ihren Sommerurlaub ins Ausland reisen wollen.
Kritik an spätem Buchungsstart und kurzer Gültigkeit
Fahrgastverband Pro Bahn bemängelt die Regeln für das neue Familienticket. „Die Idee ist gut, die Ausführung mangelhaft“, sagte Verbandschef Lukas Iffländer der dts Nachrichtenagentur. „Ein Aktionsangebot, das erst Mitte Juni buchbar wird und nur bis Mitte September gilt, kommt für einen großen Teil der Zielgruppe schlicht zu spät.“
Wer seinen Sommerurlaub plane, tue das in der Regel nicht vier Wochen vorher. „Familien planen ihren Sommerurlaub typischerweise im Winter oder spätestens im Frühjahr: Ferienwohnungen, Hotels, Bahnreisen ins Ausland, Mietwagen – all das ist bei Vielen längst gebucht und bezahlt.“
Diese Familien hätten in gutem Glauben auf reguläre Spartickets zurückgegriffen, oft zu deutlich höheren Preisen, und erfahren jetzt, dass es für die gleiche Reise ein Pauschalangebot zum Bruchteil des Preises gegeben hätte – wenn sie nur drei Monate gewartet hätten. „Diese Familien fühlen sich verständlicherweise veräppelt“, sagte Iffländer der dts Nachrichtenagentur.
Angebot mit Fokus auf Inlandsreisen
Hinzu komme: 99,99 Euro seien vor allem auf langen Distanzen ein echtes Schnäppchen. „Wer mit der Familie aber gar nicht innerhalb Deutschlands Urlaub machen möchte, sondern etwa aus Süddeutschland ans Mittelmeer fährt, hat von diesem Angebot nichts.“
Es brauche nach Ansicht von Iffländer dringend ein vergleichbares Familienangebot auch für Verbindungen ins benachbarte Ausland. „Das wäre gerade für süddeutsche Familien Richtung Italien, Frankreich oder Adria ein echter Mehrwert und würde dem klimafreundlichen Familienurlaub auf der Schiene endlich europäische Reichweite geben.“
Streitpunkt Familienreservierung
Der Pro-Bahn-Chef hat auch die abgeschaffte Familienreservierung noch nicht aufgegeben. „Bisher haben wir damit bei der DB auf Granit gebissen. Umso bemerkenswerter ist, dass beim jetzt angekündigten Familienticket die Sitzplatzreservierung wieder inklusive ist.“ Das sei die stillschweigende Bestätigung, dass die gemeinsame Platzbuchung für Familien zentral sei. „Wir werden das Thema gegenüber DB und Bundesverkehrsministerium weiter verfolgen“, sagte Iffländer der dts Nachrichtenagentur.
Bahn-Chefin Evelyn Palla hatte zuvor eine besonders günstige Urlaubsfamilienflatrate für die Sommerferien angekündigt. Zum Pauschalpreis von 99,99 Euro soll eine ganze Familie mit bis zu fünf Personen mit Fernverkehrszügen hin und zurück verreisen können, die Sitzplatzreservierung ist in dem Preis inklusive. Das neue Angebot ist aber erst ab Mitte Juni buchbar und gilt dann in ganz Deutschland bis zum Ende der bayerischen Schulferien Mitte September.
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