Der ehemalige israelische Botschafter in Deutschland, Schimon Stein, hält die politische Abgrenzung zur AfD für gescheitert. Er fordert eine direkte Auseinandersetzung mit deren Konzepten und warnt vor den Gefahren für die Demokratie.
AfD trotz Israel-Bekenntnis gefährlich für Juden
Der ehemalige israelische Botschafter in Deutschland, Schimon Stein, sagte dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland„: „Wenn rund 30 Prozent der Menschen bereit sind, Ihre Stimme der AfD zu geben, kann die jüdische Community eine Auseinandersetzung mit ihnen nicht ablehnen“.
Zwar solle man sich von den pro-israelischen Bekenntnissen der AfD nicht täuschen lassen, so Stein. "Nur weil die AfD sich zu Israel bekennt, ist sie nicht weniger gefährlich für Juden. Wenn die AfD Muslime ablehnt, können sich Juden genauso wenig sicher fühlen". "Trotzdem halte ich die Brandmauer inzwischen für gescheitert. Ideen kann man nicht aus den Köpfen verbannen."
Das aktuelle Ausmaß des Antisemitismus bezeichnete er als "Seismograf für den Zustand einer Gesellschaft". Deutschland befinde sich in einer tiefen Krise, geprägt von Ängsten, Ungewissheit und Polarisierung. Menschen suchten für ihre Probleme Sündenböcke – und Juden werde diese Rolle seit der Antike zugeschrieben, sagte der frühere Spitzendiplomat, der auch nach dem Ende seiner Amtszeit in Berlin lebt.
In Deutschland sei die Wertschätzung für die Demokratie "fast zu einem Lippenbekenntnis geworden", warnte er. "Die Bereitschaft, für sie zu kämpfen, ist zu gering. Die Demokratie ist wie eine Pflanze: Man muss sie jeden Tag gießen. Sie gießen zu wenig."