Merz und EU-Partner diskutieren Einfluss, Sicherheit und Rohstoffe in der Arktis.
In der nordfinnischen Stadt Rovaniemi am Polarkreis haben Bundeskanzler Friedrich Merz und Spitzenvertreter mehrerer EU-Staaten über eine gemeinsame Arktis-Strategie beraten. Im Mittelpunkt stehen neue Schifffahrtsrouten, die durch den klimabedingten Rückgang des Meereises entstehen, sowie unerschlossene Rohstoffvorkommen und Sicherheitsbedrohungen durch militärische Aktivitäten Russlands und Chinas, wie die ZEIT und n-tv berichten. Finnland drängt darauf, europäische Eisbrecherfähigkeiten als konkretes Projekt in die Strategie aufzunehmen, da diese für Versorgung, Handel und militärische Präsenz in der Region als unverzichtbar gelten. Bisher gibt es jedoch weder ein konkretes Beschaffungsprogramm noch eine festgelegte Zahl neuer Schiffe, obwohl EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bereits höhere Verteidigungsausgaben für eine mögliche europäische Eisbrecher-Flotte vorgeschlagen hat.
Russland baut Arktis-Präsenz massiv aus
Die Tagesschau betont, dass Russland seine militärische Präsenz in der Arktis in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut hat, um schnell in den Nordatlantik vorstoßen zu können. Dies stelle eine potenzielle Bedrohung für die Versorgungsrouten zwischen Europa und Nordamerika dar. Auch China und die USA zeigen zunehmend Interesse an der Region, wobei US-Präsident Donald Trump Ansprüche auf Grönland angemeldet hat. Dänemark, zu dem Grönland gehört, sieht sich damit konfrontiert, die Insel vor externen Einflüssen zu schützen.
Merz signalisiert Deutschlands Arktis-Engagement
Merz’ Teilnahme am Gipfel wird auch als Signal an EU- und NATO-Partner gewertet, dass Deutschland sich in der Arktis engagieren will. Der Nordeuropa- und Sicherheitsexperte Tobias Etzold unterstreicht, dass die Arktis als Sicherheitsraum nicht mehr von Europa und der Ostsee getrennt werden könne. Daher seien auch Vertreter aus dem Baltikum eingeladen, um ihre Erfahrungen einzubringen.
EU plant neue Arktis-Strategie mit Klimafokus
Die EU-Kommission plant, die Ergebnisse des Gipfels für die Erarbeitung einer neuen Arktis-Strategie zu nutzen. Dabei soll der Klimawandel als zentrale Herausforderung berücksichtigt werden, wie die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas betont. Gleichzeitig müsse sich Europa einer härteren Sicherheitsrealität stellen, in der Russland die Arktis zunehmend militarisiere und China seine Präsenz ausbaue.
Finnland treibt EU-Eisbrecherprojekte voran
Finnland, das bereits über eine Schlüsselkompetenz im Eisbrecherbau verfügt, sieht in der Entwicklung europäischer Eisbrecherfähigkeiten einen entscheidenden Schritt für die Handlungsfähigkeit der EU in der Region. Experten wie Anselm Küsters vom Centrum für Europäische Politik verweisen darauf, dass solche Fähigkeiten für die europäische Souveränität von großer Bedeutung seien.