Es wird bald einsamer am heimischen Briefkasten. Nachdem sich die Deutsche Post, die sich inzwischen nur noch DHL nennt, seit Jahren schrittweise vom einstigen Kerngeschäft entfernt, bereitet nun auch die in Osnabrück als Tochter der NOZ/mh:n-Gruppe agierende Citipost einen harten Schnitt vor: den Ausstieg aus der Briefzustellung.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Citipost Osnabrück wurden in ersten Gesprächen am vergangenen Donnerstag und Freitag über die Entscheidung der NOZ/mh:n-Gruppe informiert. Nach Angaben der Unternehmenshomepage verteilen „mehr als 2.000 Zusteller“ Postsendungen in Osnabrück, der Region und im Emsland.
Rückzug aus dem Briefgeschäft bis Ende des Jahres 2026
Der Abschied von der Postverteilung soll jedoch nicht das Ende der Logistiksparte der NOZ/mh:n-Gruppe bedeuten, wie eine Unternehmenssprecherin in einer auf Nachfrage unserer Redaktion übersandten Erklärung betont. Als „strategische Neuausrichtung“ will man sich ab sofort sukzessive aus dem Briefgeschäft zurückziehen, um die Kräfte vollständig auf die logistische Kernkompetenz zu konzentrieren: die langfristig stabile und effiziente Zustellung von Verlagsprodukten wie Tageszeitungen und Wochenblättern. Der geordnete Ausstieg soll spätestens bis zum Jahresende 2026 abgeschlossen sein.
Branche leidet unter rückläufigen Briefmengen und steigenden Kosten
Trotz intensiver Anstrengungen, das Briefgeschäft profitabel aufzustellen, sieht sich die NOZ/mh:n-Gruppe nach eigenen Angaben durch die Entwicklung des Marktes zu diesem Schritt gezwungen. Die physischen Briefmengen seien strukturell rückläufig, während zugleich die Betriebskosten stiegen. Zusätzlich erschwerten systematische Nachteile gegenüber der Deutschen Post, etwa deren Mehrwertsteuerbefreiung in Teilen des Briefgeschäfts, den Wettbewerb.
Hinzu kommen wirtschaftliche Belastungen aus der Insolvenz des nationalen Briefeinspeisers dvs, die nach Angaben der Unternehmensgruppe zu Forderungsausfällen in Millionenhöhe geführt habe. Auch die ursprüngliche Erwartung, dass die Briefzustellung die Zeitungslogistik stützen könne, habe sich unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht bestätigt.
„Um Risiken für die Logistikunternehmen der Gruppe abzuwenden und deren Zukunftsfähigkeit zu sichern, ist dieser Rückzug nach intensiver Prüfung aller Alternativen unvermeidlich“, erklärt die Gruppengeschäftsführung der NOZ/mh:n MEDIEN.
Fokus zukünftig auf Zeitungen und Wochenblätter
Während der laufende Geschäftsbetrieb zunächst wie gewohnt fortgeführt wird, sollen die Bezirksstrukturen schrittweise angepasst werden. Die Reduzierung der Komplexität soll die Zustellung der Verlagsprodukte nachhaltig stabilisieren. Für die Zustellenden der Zeitungen ergebe sich daraus ein wesentlicher Vorteil, heißt es aus dem Unternehmen: Durch den Wegfall schwankender Briefmengen würden Arbeitszeiten verlässlicher und besser planbar.
Unternehmensgruppe kündigt Unterstützung für betroffene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an
Die NOZ/mh:n-Gruppe betont zugleich, sich der emotionalen Belastung für die betroffenen Mitarbeitenden bewusst zu sein. Eine verantwortungsvolle Begleitung der Briefzustellerinnen und Briefzusteller sowie Unterstützung bei der beruflichen Neuorientierung stünden im Fokus der Verantwortlichen.
Citipost Osnabrück wurde 2005 gegründet – Teil einer Markenpartnerschaft
Die Citipost Osnabrück wurde im Jahr 2005 von der Neuen Osnabrücker Zeitung gegründet und ist Teil der Markenpartnerschaft Citipost. Unter dieser Marke agieren mehrere rechtlich selbstständige Postunternehmen, die regional jeweils eigenständig aufgestellt sind. Der Ausstieg der Citipost Osnabrück aus dem Briefgeschäft erfolgt daher unabhängig vom Fortbestehen anderer Unternehmen, die unter der Marke Citipost tätig sind.
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