Die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Yasmin Fahimi, hat Vorwürfe zurückgewiesen, Gewerkschaften seien in der aktuellen Reformdebatte nicht kompromissbereit. In einem Interview mit T-Online kritisierte sie stattdessen Teile der Arbeitgeber scharf und bestritt, dass hohe Arbeitskosten die zentrale Belastung für Unternehmen in Deutschland seien.
DGB-Chefin pocht auf Kompromissbereitschaft der Gewerkschaften
Yasmin Fahimi, Chefin des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), wehrt sich gegen Kritik an der Rolle der Gewerkschaften in der aktuellen Reformdebatte und macht den Arbeitgebern harsche Vorwürfe. „Zu sagen, dass Gewerkschaften in diesem Land nicht kompromissbereit wären, ist an Lächerlichkeit nicht zu überbieten“, sagte Fahimi dem Nachrichtenportal T-Online. Was die Gewerkschaften allerdings nicht machten, sei, angeblich alternativlosen Scheinreformen still zuzustimmen.
Kompromisse seien das tägliche Geschäft der Gewerkschaften, führte Fahimi aus. Dies gelte bei Tarifverhandlungen, in den Betrieben und bei Standortvereinbarungen. Niemand mache das mehr als die Gewerkschaften, so Fahimi weiter gegenüber T-Online.
Vorwurf der Polarisierung zurückgewiesen
Die DGB-Chefin betonte, die Gewerkschaften seien nicht diejenigen, die eine Polarisierung der Gesellschaft betrieben. „Diejenigen, die den Leuten jeden Tag sagen: `Ihr seid zu krank, zu faul, zu teuer`, sind die, die polarisieren“, sagte Fahimi T-Online. Und Teile der Arbeitgeber täten das nun mehr seit über zwei Jahren jede Woche kontinuierlich.
Debatte um Arbeitskosten und Standortfaktoren
Zugleich widersprach Fahimi der Kritik der Arbeitgeber, Unternehmen in Deutschland litten unter hohen Arbeitskosten. „Das erzählen die Arbeitgeber auch seit Jahren“, so Fahimi gegenüber T-Online. Sollen wir mit Osteuropa oder China um die niedrigsten Arbeitskosten konkurrieren? Diesen Kampf werden wir verlieren.
Nach Ansicht der DGB-Chefin sind nicht die Arbeitskosten das Problem des deutschen Standortes. Entscheidend seien vielmehr die geopolitischen Probleme, die hohen Energiepreise sowie der schleppende und zu lange vernachlässigte Ausbau einer exzellenten Infrastruktur.
