BIP legt um 0,3 % zu, doch Bund gibt deutlich mehr aus als einnimmt.
Die deutsche Wirtschaft hat im zweiten Quartal 2026 stärker zugelegt als zunächst erwartet. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von April bis Juni um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Eine erste Schätzung Ende Juli hatte noch ein Plus von 0,2 Prozent ergeben. Damit wuchs die größte Volkswirtschaft Europas bereits das dritte Quartal in Folge, wie die Zeit und der Spiegel übereinstimmend berichten. Treibende Kraft war erneut der Außenhandel: Die Warenexporte legten um 2,6 Prozent zu, während die Dienstleistungsexporte konstant blieben. Insgesamt ergab sich ein Exportwachstum von 2,0 Prozent. Die Konsumausgaben der privaten Haushalte und des Staates stiegen hingegen nur leicht um jeweils 0,1 Prozent. Investitionen in Maschinen und Fahrzeuge gingen sogar um 1,4 Prozent zurück, wie die Welt ergänzend angibt.
Staat überschreitet Maastricht-Grenze deutlich
Gleichzeitig verschärfte sich die Haushaltslage des Staates deutlich. Im ersten Halbjahr 2026 betrugen die Ausgaben von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung 71,3 Milliarden Euro mehr als die Einnahmen. Das Defizit lag damit um 36,6 Milliarden Euro höher als im Vorjahreszeitraum, wie der Spiegel und die Welt unter Berufung auf Destatis berichten. Gemessen am BIP ergibt sich eine Defizitquote von 3,1 Prozent – und überschreitet damit den im Maastricht-Vertrag festgelegten Referenzwert von 3,0 Prozent. Besonders der Bund verzeichnete mit 48,1 Milliarden Euro ein hohes Finanzierungsdefizit, das vor allem auf Mehrausgaben für Verteidigung, Infrastruktur und Sondervermögen zurückzuführen ist, wie der Spiegel unter Berufung auf das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) erklärt.
Energiepreise und Niedrigwasser bremsen Wirtschaft
Die aktuelle Entwicklung wird durch externe Faktoren belastet. So belasten hohe Energiepreise aufgrund des anhaltenden Iran-Konflikts und der damit verbundenen Unsicherheiten im Öl- und Gashandel die Wirtschaft, wie die Zeit berichtet. Zudem könnte das Rekord-Niedrigwasser am Rhein die Erholung im dritten Quartal ausbremsen, warnt die Bundesbank. Die eingeschränkte Nutzung der Wasserwege und steigende Transportkosten könnten die Industrieproduktion und das Exportwachstum spürbar beeinträchtigen, wie der Spiegel hinzufügt.
Inflation steigt auf 2,8 Prozent im Juli
Trotz der positiven Wachstumszahlen bleibt die Lage angespannt. Die Inflationsrate stieg im Juli auf 2,8 Prozent, nachdem der Tankrabatt auslief, wie die Zeit angibt. Experten rechnen damit, dass die Inflation in den kommenden Monaten weiter steigen könnte, falls sich die Rohstoffpreise nicht stabilisieren. Zudem könnten die steigenden Zinsen auf Staatsanleihen die Neuverschuldung verteuern und den Spielraum für Investitionen oder Sozialleistungen einschränken, wie der Spiegel unter Berufung auf Ifo-Präsident Clemens Fuest berichtet.