In der deutschen Wirtschaft wächst der Streit über den Umgang mit der AfD. Während einzelne Unternehmer fordern, die sogenannte Brandmauer zur Rechtsaußen-Partei aufzugeben, halten die großen Wirtschaftsverbände an einer klaren Abgrenzung fest, berichtet die "Bild am Sonntag".
Unternehmer fordern Ende der Brandmauer
Unternehmer Caspar Brockhaus (Brockhaus Group) kritisierte in der „Bild am Sonntag“ die bisherige Linie der Union gegenüber der AfD. Er sagte dem Blatt: „Die Brandmauer lähmt Politik, Wirtschaft und damit unser Land.“ Indem sich die Union zu einseitig festlege, schwäche sie ihre Verhandlungsposition. Brockhaus forderte, wenn Schwarz-Rot Deutschland wirtschaftlich nicht wieder wettbewerbsfähig mache, müssten neue demokratische Konstellationen möglich werden. Allein diese Möglichkeit würde den Reformdruck deutlich erhöhen.
Für Unternehmerin Sarna Röser, Initiatorin von „Unternehmer in Bewegung“, ist die Brandmauer ein Zeichen von Überheblichkeit der etablierten Parteien. Sie sagte der „Bild am Sonntag“: „Die früheren Volksparteien maßen sich an, zu bestimmen, wer zur Demokratie dazugehört und wer nicht. Das ist Hochmut – und hat die AfD stark gemacht.“ Die Bürger wählten konservativ und bekämen links, lautet ihr Vorwurf. Demokratie bedeute aber, dass der Bürger entscheide, nicht die Partei. Vertrauen gewinne man nicht durch Ausgrenzung, sondern durch bessere Politik.
Auch Unternehmer Wolfgang Grupp (Trigema) stellt die Brandmauer infrage. Er sagte der „Bild am Sonntag“, er sei ein Befürworter von Migration. Dennoch ergebe die Brandmauer zur AfD aus seiner Sicht keinen Sinn: „In einer Demokratie muss jede Partei mit jeder Partei sprechen.“
Verbände pochen auf klare Abgrenzung
Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger widersprach den Unternehmern deutlich. Er sagte der „Bild am Sonntag“: „Rechts- und linksextreme Parteien gefährden Wirtschaftsstandort, Arbeitsplätze und Wohlstand.“ Deshalb gelte aus seiner Sicht: Die Parteien der Mitte müssten die berechtigten Sorgen der Wähler ernst nehmen und endlich Politik für den Arbeitsplatzstandort Deutschland machen. Wettbewerbsfähigkeit sei das beste Mittel gegen Extremismus.
Dirk Jandura, Präsident des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel und Dienstleistungen, knüpfte mögliche Gespräche an eine klare Distanzierung der AfD. Er sagte der „Bild am Sonntag“: „Es ist an der AfD, eine Brandmauer zum Rechtsextremismus und zur Europafeindlichkeit zu ziehen. Solange das nicht passiert, gibt es keinen Grund, miteinander zu sprechen.“ Dies gelte ebenso für die Gegner der Marktwirtschaft bei Linkspartei und BSW.
Sorge um Marktwirtschaft
Auch Franz-Olaf Kallerhoff, Präsident des Markenverbandes, warnte vor einer Aufwertung der AfD. Er sieht in einem solchen Schritt die Marktwirtschaft in Gefahr. Kallerhoff sagte der „Bild am Sonntag“: „Wir sehen keinen Sinn im Austausch mit Parteien, die extremistische Positionen vertreten, die unserer Wirtschaft, unserer Gesellschaft und unserem Land schaden würden.“
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