Die Gletscher in den Alpen schmelzen so schnell wie nie zuvor. Dennoch fehlt im Rhein das Wasser. Gletscherforscher Matthias Huss warnt vor verschärften Niedrigwasserphasen und Folgen für die Rheinschifffahrt.
Wasserreservoir schwindet kontinuierlich
Jeder Tag und jedes Jahr mit hohen Schmelzraten reduziere das Wasserreservoir, das vor Jahrzehnten und Jahrhunderten natürlich angelegt wurde. "Wir geraten damit in eine Lage, in der Hitzewellen deutlich stärkere Auswirkungen haben werden als jetzt. Das Schmelzwasser bleibt dann ausgerechnet im Hochsommer aus – also in jener trockenen Phase, in der wir dieses Wasser dringend benötigen, um die Pegel der Flüsse und Seen einigermaßen aufrechtzuerhalten", sagte der Gletscherforscher Matthias Huss der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Man habe jetzt den Punkt erreicht, an dem die Wasserzufuhr aus dem alpinen Eispuffer kontinuierlich abnehme. "Aktuell fließt die maximale Wassermenge von den Gletschern ab. Fortan sinken die Abflussvolumina, bis alle Gletscher geschmolzen sind". Huss forscht an der ETH Zürich.
In heißen Sommern werde bisher bis zu 20 Prozent des Wassers im Rhein aus Gletschern gespeist. "Das verlängert die Niedrigwasser-Perioden im Rhein und wird Deutschland und die Schweiz vor große Herausforderungen stellen."
Zwischen 2016 und 2023 seien in der Schweiz 160 Gletscher verschwunden. "In diesem Sommer werden wir viele weitere Gletscher verlieren."