Mit einer Kranzniederlegung und einer Gedenkveranstaltung erinnerte die Stadt Osnabrück am Montag (20. Juli) an die hingerichteten Widerstandskämpfer um Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Rund 50 Gäste waren zum Platz des 20. Juli vor der Kunsthalle Osnabrück erschienen. Im Mittelpunkt stand dabei nicht nur das gescheiterte Attentat auf Adolf Hitler im Jahr 1944, sondern auch der Mut all jener Menschen, die sich dem nationalsozialistischen Regime widersetzten – in Deutschland und in Osnabrück.
Erinnerung an den Mut des Widerstands
Am 20. Juli 1944 versuchte eine Gruppe ranghoher Militärs um Claus Schenk Graf von Stauffenberg mit einem Bombenattentat, Adolf Hitler zu töten und das nationalsozialistische Unrechtsregime zu beenden. Der Anschlag scheiterte, zahlreiche Beteiligte wurden hingerichtet. Bis heute gilt der 20. Juli als Symbol für Gewissensentscheidungen, Zivilcourage und den Widerstand gegen die Diktatur.
In ihrer Gedenkansprache betonte Bürgermeisterin Eva-Maria Westermann, dass der Widerstand gegen das NS-Regime weit über den Kreis der Militärs hinausging. Gewerkschafter, Sozialdemokraten, Kirchenvertreter und viele weitere Bürgerinnen und Bürger hätten sich trotz größter persönlicher Gefahr gegen das Regime gestellt.
Besondere Bedeutung habe das Gedenken auch für Osnabrück. Nach dem gescheiterten Attentat begann die so genannte „Aktion Gewitter“, eine groß angelegte Verhaftungswelle der Gestapo gegen bekannte Regimegegner. Auch in Osnabrück wurden damals mehr als 50 Menschen festgenommen.
„Wenn wir heute an diesem Mahnmal stehen, dann gedenken wir deshalb nicht nur derer, deren Namen in den Geschichtsbüchern stehen. Wir gedenken auch all jener, die hier in ihrer eigenen Stadt, in ihrer eigenen Straße und oft ohne öffentliche Aufmerksamkeit für dieselbe Haltung denselben Preis bezahlt haben“, sagte Westermann.
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Eva-Maria Westermann bei der Kranzniederlegung zum Gedenken an die hingerichteten Widerstandskämpfer des 20. Juli. / Foto: Dominik Lapp
Demokratie als täglicher Auftrag
In ihrer Rede schlug die Bürgermeisterin den Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart. Die Erinnerung an den 20. Juli werfe bis heute die Frage auf, wie Menschen heute auf Unrecht reagieren
„Demokratie ist kein Zustand, den man einmal erreicht und dann besitzt. Sie muss jeden Tag aufs Neue verteidigt, belebt und mit Leben erfüllt werden. Durch Zivilcourage im Kleinen, durch Widerspruch, wo Unrecht geschieht, und durch die Bereitschaft hinzusehen, statt wegzusehen“, erklärte sie.
Gerade angesichts zunehmender demokratiefeindlicher Tendenzen und wachsender Ausgrenzung sei der 20. Juli mehr als ein historisches Datum. Er sei eine Mahnung, Verantwortung für die Gegenwart zu übernehmen.
Erinnerung an Osnabrücker Opfer
Auch Robert Alferink, Oberbürgermeisterkandidat der SPD, erinnerte in seinem Beitrag an die Folgen der „Aktion Gewitter“ und insbesondere an Osnabrücker Sozialdemokraten, die nach dem Attentat verhaftet und von den Nationalsozialisten ermordet wurden.
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Robert Alferink erinnert an Osnabrücker Sozialdemokraten, die nach dem Attentat verhaftet und von den Nationalsozialisten ermordet wurden. / Foto: Dominik Lapp
Er nannte den früheren Arbeitsamtsdirektor Heinrich Groos, den Gewerkschafter Fritz Szalinski, den AOK-Verwaltungsinspektor Wilhelm Mentrup sowie den früheren SPD-Parteisekretär Heinrich Niedergesäss. Nach Alferinks Worten hätten diese Männer nach Kriegsende eine wichtige Rolle beim demokratischen Wiederaufbau Osnabrücks spielen können. Gleichzeitig erinnerte er daran, dass zahlreiche Täter nach 1945 nicht oder nur unzureichend zur Verantwortung gezogen wurden.
Blick auf den demokratischen Neubeginn
Neben den Opfern würdigte der Sozialdemokrat auch diejenigen, die die Verfolgung überlebten und sich nach dem Krieg für den demokratischen Neuanfang engagierten. Beispielhaft nannte er die frühere SPD-Landtagsabgeordnete Alwine Wellmann, die nach ihrer Rückkehr aus dem Exil Verfolgte bei der Wiedergutmachung unterstützte.
Mit Blick auf die bevorstehende Kommunalwahl am 13. September verband Robert Alferink das Gedenken mit einem Appell an die Bürgerinnen und Bürger. Demokratie müsse aktiv verteidigt werden. „Denn die Geschichte hat gezeigt: Demokratie stirbt nicht plötzlich. Sie wird Stück für Stück ausgehöhlt.“
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