Eigentlich steht für Energie Cottbus am Sonntag das Topspiel gegen Rot-Weiss Essen an, ein Duell, das im Aufstiegsrennen der 3. Liga vieles entscheiden kann. Auf der Pressekonferenz am Freitag sprach Trainer Claus-Dieter Wollitz trotzdem zunächst vor allem über einen anderen Verein: den VfL Osnabrück.
Dort hatte Cottbus am vergangenen Sonntag mit 0:1 verloren. Die Niederlage selbst, sagte Wollitz, sei nicht das eigentliche Problem gewesen. Ärgerlich sei das Drumherum. Am Mannschaftsbus habe weder bei der Ankunft noch bei der Abfahrt ein Ordner gestanden, seine Spieler seien „unzähligen Beleidigungen“ ausgesetzt gewesen, von einem „Spießrutenlauf“ sprach er. Dazu der Vorwurf: „Respektloser kann man einem Klub keine Abneigung zeigen.“ Und in einem weiteren Interview: „Hätte mir gewünscht, dass dieser Klub mehr Stil hat.“
Dass die TV-Übertragungen zumindest in einem Fall ein anderes Bild lieferten – der frühere VfL-Stürmer Erik Engelhardt wurde an alter Wirkungsstätte freundlich begrüßt – ließ Wollitz in seinen Ausführungen unerwähnt.
Auch Schiedsrichter Patrick Ittrich bekam sein Fett weg. Ein „klarer Elfmeter“ sei seiner Mannschaft verwehrt worden, und Wollitz wunderte sich, dass darüber im Nachgang niemand gesprochen habe. Er selbst hatte die Szene direkt nach Abpfiff allerdings ebenfalls nicht angesprochen. Hinzu kam Ärger über MagentaSport, dessen Interviewfrage ihm unpassend erschienen sei.
Zwölf Jahre Bremer Brücke
Die Schärfe, mit der Wollitz über den VfL redet, hat eine Vorgeschichte, die in Osnabrück niemand erklären muss. Zwischen 1989 und 1993 absolvierte der heute 60-Jährige an der Bremer Brücke 152 Pflichtspiele – mehr als für jeden anderen Verein seiner Karriere. Als Trainer führte er den VfL 2007 in die 2. Bundesliga. 2012 kehrte er zurück und verließ den Verein gut ein halbes Jahr später nach einer Wutrede vor Anhängern in Bielefeld, die im Internet landete und zur sofortigen Beurlaubung führte.
Seit damals ist das Verhältnis erkennbar belastet. Schon vor seinem Gastspiel mit Cottbus im September 2024 hatte Wollitz öffentlich erklärt, er habe „keine Vorfreude“ auf die Rückkehr, der Verein habe ihn „zu schlecht behandelt“. Nach der aktuellen Niederlage kündigte er nun an, sich „nach der Saison nochmal“ äußern zu wollen – und redete zugleich ausführlich weiter.
Wollitz redet im Cottbusser Aufstiegskampf über Osnabrück
Sportlich steht Cottbus auf dem dritten Tabellenplatz, mit 60 Punkten, einen Zähler hinter RWE Kicker. Fünf Spieltage sind noch zu absolvieren, personell kann der Trainer aus dem Vollen schöpfen, gepfiffen wird die Partie von Robert Hartmann. Ein Sieg würde Cottbus bis auf einen Punkt an Essen heranbringen, eine Niederlage den Rückstand auf sieben Zähler anwachsen lassen. Anlass genug also, das Topspiel in den Mittelpunkt der Pressekonferenz zu rücken. Wollitz entschied sich anders.
Für den VfL Osnabrück selbst wiederum ist die Gemengelage überschaubar: Die drei Punkte liegen längst auf dem eigenen Konto, die Tabellensituation ist komfortabel – und dafür, dass der Verein trotzdem weiter Thema bleibt, sorgt in diesen Tagen jemand anderes zuverlässig selbst.