Am Dienstagabend (12. Mai) wird Osnabrück in ein besonderes Licht getaucht. Zahlreiche Gebäude in der Stadt werden blau angestrahlt – als sichtbares Zeichen der Solidarität mit Menschen, die an ME/CFS leiden. Hinter der internationalen Aktion „Light up the Night 4 ME“ steckt ein ernstes Anliegen: Aufmerksamkeit für eine schwere Erkrankung schaffen, die bis heute kaum erforscht ist und viele Betroffene an den Rand der Gesellschaft drängt.
Weltweite Aktion zum ME/CFS-Tag
Der 12. Mai gilt weltweit als Internationaler ME/CFS-Tag. In vielen Städten rund um den Globus werden an diesem Tag Gebäude in Blau beleuchtet – der Farbe der Awareness-Kampagne. Auch Osnabrück beteiligt sich erneut an der Aktion. Unterstützt wird sie unter anderem von Oberbürgermeisterin Katharina Pötter. „Es ist nicht nur wichtig, dass ME/CFS in der Öffentlichkeit bekannter wird, sondern vor allem im Gesundheitswesen, damit Betroffene die Hilfe bekommen, die sie brauchen.“
Zwar kann das Rathaus wegen der laufenden Maiwoche in diesem Jahr nicht angestrahlt werden, doch zahlreiche andere Orte setzen ein sichtbares Zeichen. So wird unter anderem das Heger Tor blau leuchten. Auch das Schloss der Universität Osnabrück, die OsnabrückHalle, die Sparkassen-Hauptstelle sowie mehrere Apotheken, Unternehmen und Einrichtungen beteiligen sich an der Kampagne.
Eine Krankheit, die viele nicht kennen
ME/CFS steht für Myalgische Enzephalomyelitis beziehungsweise Chronic Fatigue Syndrom. Die Krankheit zählt zu den am wenigsten erforschten schweren Erkrankungen weltweit. Schätzungen zufolge sind allein in Deutschland rund 650.000 Menschen betroffen – viele davon ohne offizielle Diagnose. Experten gehen davon aus, dass etwa 90 Prozent der Erkrankten unerkannt bleiben.
Für Betroffene bedeutet die Krankheit oft einen radikalen Einschnitt ins Leben. Schon kleinste körperliche oder geistige Anstrengungen können zu schweren und langanhaltenden Verschlechterungen führen. Selbst alltägliche Dinge wie Gespräche, Licht oder Bewegung werden für manche zur enormen Belastung. Besonders drastisch zeigt sich das bei Schwersterkrankten: Für sie kann bereits das Umdrehen im Bett oder die Anwesenheit einer anderen Person im Raum zu einer massiven Verschlechterung führen.
Die Sparkasse am Berliner Platz in Osnabrück leuchtet blau. / Foto: Tillmann Groß
Corona hat Zahl der Betroffenen erhöht
Häufig tritt ME/CFS nach Infektionskrankheiten auf – etwa nach Pfeifferschem Drüsenfieber, Borreliose oder Covid-19. Vor allem die Corona-Pandemie hat die Zahl der Erkrankten deutlich steigen lassen. Nach Angaben von Experten hat sich die Zahl der Betroffenen seitdem verdoppelt.
Hinzu kommt ein weiteres Problem: Viele Erkrankte werden nicht ernst genommen. Gerade junge Menschen erleben häufig Stigmatisierung oder den Verdacht, ihre Beschwerden seien psychischer Natur. Dabei gilt ME/CFS ausdrücklich nicht als psychische Erkrankung.
Die Lebensqualität der Betroffenen ist oft massiv eingeschränkt. Fachleute vergleichen die Belastung schwer Erkrankter teilweise mit der Situation von Krebs- oder Aids-Patienten im Endstadium. Gleichzeitig fehlen bis heute wirksame Therapien. Heilung oder deutliche Verbesserungen sind bislang nicht möglich.
Forderung nach besserer Versorgung
Die Aktion „Light up the Night 4 ME“ soll deshalb nicht nur Aufmerksamkeit erzeugen, sondern auch politischen Druck aufbauen. Betroffene, Angehörige und Unterstützer fordern seit Jahren eine bessere medizinische Versorgung und mehr Forschung.
Immerhin gibt es inzwischen erste Fortschritte: In Niedersachsen wurden bereits zwei Spezialambulanzen eingerichtet, eine dritte ist in Planung. Doch viele Erkrankte warten weiterhin auf Diagnosen, geeignete Ansprechpartner oder therapeutische Unterstützung. Dass nun auch in Osnabrück zahlreiche Institutionen ihre Gebäude blau anstrahlen, soll ein deutliches Signal senden: Die Krankheit darf nicht länger übersehen werden.
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