In der Pflege im Klinikum Osnabrück kann jetzt nicht mehr nur flexibel gearbeitet werden, sondern es ist auch möglich, die Ausbildung zur Pflegefachkraft flexibel – also in Teilzeit – zu absolvieren. Dabei verlängert sich die Ausbildungszeit von drei auf vier Jahre und beim Erwerb der praktischen und theoretischen Kenntnisse können die individuellen Lebensumstände der angehenden Pflegefachkräfte berücksichtigt werden.
Individuelle Lebensumstände werden berücksichtigt
„Die flexible Pflegeausbildung“, wie sich das neue Modell nennt, soll es ermöglichen, dass Menschen, die etwa in Familienverantwortung sind, noch die Sprache lernen oder bei denen andere private zeitliche Beschränkungen bestehen, ganz regulär einen Abschluss als Pflegefachfrau oder Pflegefachmann erwerben können. Bei einer Veranstaltung in der Akademie des Klinikums auf dem Finkenhügel wurde jetzt der „Kick off“ für das neue Ausbildungsmodell und die verbundene Rekrutierungskampagne gegeben. Wie Klinikums-Geschäftsführer Frans Blok ankündigte, werden nun zum 1. Oktober erstmals fünf Plätze in der flexiblen Pflegeausbildung angeboten. Zum 1. Mai 2027 sollen weitere 20 Plätze folgen und die flexible Ausbildung zum festen Bestandteil des Angebots der Akademie werden. Die Plätze sind noch nicht besetzt – wie Blok und die weiteren Beteiligten sagten, freut sich das Klinikum auf viele Bewerbungen. Blok stellte „Die flexible Pflegeausbildung“ als wichtigen neuen Angebotsbaustein vor. Es gebe nicht wenige Menschen, betonte er, die durch ihre Lebensumstände, etwa durch Kinder, nicht in Vollzeit arbeiten oder eine Ausbildung absolvieren könnten. Ein flexibles Arbeitszeitmodell habe das Klinikum bereits eingeführt (Flexpool). „Ich glaube aber auch, dass es sehr wichtig ist, dass solche Personen die Möglichkeit bekommen, eine gute Ausbildung zu erhalten. Sie können ja nichts dafür, dass sie weniger Zeit haben, weil etwa schon eigene Kinder da sind“, sagte Blok.
Ein ganz neues Modell
Loran Noteboom von der u.a. für die „Social Media“-Kampagne verantwortlichen Agentur „Frei ist frei“ knüpfte an diesen Gedanken an. Eigentlich, meinte er, gehe es sogar um Möglichkeiten für Freiheit und Selbstbestimmung, die durch flexible Ausbildungs- und Arbeitszeitmodelle verbessert werden. Benedikt Menke von der Pflegedirektion des Klinikums sprach in dem Zusammenhang von Chancengleichheit. Nach seinen Worten wird mit „Die flexible Pflegeausbildung“ ein ganz neues Modell eingeführt, das in dieser Form erstmals auf dem Markt sei. Wie Menke und Akademie-Leiterin Dr. Janika Grunau erläuterten, wurde das neue Ausbildungsangebot in enger Abstimmung zwischen Pflegedirektion, Akademie, Betriebsrat und den Stationsleitungen vorbereitet. Herausforderung sei es gewesen, schilderte Grunau, die Abläufe in Theorie und Praxis bei dem flexiblen Modell gut aufeinander abzustimmen. Neu und anders als in anderen Teilzeitausbildungsangeboten sei, dass das neue Modell auf vier Bausteinen beruhe, die je nach Bedürfnissen kombiniert werden können und so besonders gute Möglichkeiten für den Wissenserwerb und Freiheit bei der Zeitgestaltung ergeben. So können in dem neuen Modell bei den Praxiseinsätzen die Dienstzeiten angepasst werden (FlexShift), die Azubis können sich nach Absprache Theorie in Selbstlerneinheiten (FlexRemote), aneignen, können auch längere Urlaubs-/Abwesenheitszeiten einlegen (FlexLeave) und werden im gesamten Verlauf der Ausbildung individuell begleitet (FlexCoach). Grunau machte deutlich, dass es weder einfacher noch schwieriger ist, „Die flexible Pflegeausbildung“ zu absolvieren. Es sei aber, wie sie klar machte, auch anspruchsvoll, flexibel zu lernen – und es müsse vier und nicht nur drei Jahre lang bei der Stange geblieben werden. Aber für Menschen, die Lust auf den Pflegeberuf haben, sei es das neue Ausbildungsangebot eine sehr gute Möglichkeit, zu einem Abschluss zu kommen. Und im Anschluss könne dann ja im Klinikum auch flexibel weitergearbeitet werden, meinte sie.
Flexibles Ausbildungsangebot soll Chancengleichheit stärken
Grunau wies ebenfalls darauf hin, dass ein flexibles Ausbildungsangebot zur Chancengleichheit beiträgt. Lebenswege seien individuell und führten nach der Schule vielfach nicht gleich in eine Ausbildung, sagte sie. Die Akademie des Klinikums entspreche mit dem flexiblen Angebot einerseits Anforderungen, passende Ausbildungsmöglichkeiten auch für Menschen vorzuhalten, die etwa bereits Eltern sind oder noch Sprachunterricht absolvieren. Aber es deute auch auf die Flexibilität im Denken und Handeln hin, die von jungen Menschen erforderlich sei, die heute in Gesundheitsberufe oder allgemein in die Arbeitswelt einmünden, stellte Grunau bei der Veranstaltung vor zahlreichen Schülerinnen und Schülern heraus. Jeder werde in seinem Berufsleben immer wieder auf veränderte Situationen treffen, so dass es wichtig sei, so Grunau, sich eine flexible Grundhaltung und eine Einstellung zum „lebenslangen Lernen“ zu bewahren bzw. anzueignen. „Die flexible Pflegeausbildung“ richtet sich an junge Menschen ab 17 Jahren mit mindestens zehn Jahren Schulbildung/Realschulabschluss bzw. gleichwertig.
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