„Das ist ein rechter YouTuber“ – mit dieser bei Protesten gegen die AfD bereits eingeübten Warnung wurde am Freitagabend per Megafon vor Sebastian Weber, alias „Weichreite“, gewarnt.
Und damit bekommen die von der linken Szene in Osnabrück als „Mitmachkampagne“ titulierten Proteste gegen Gastwirte, die der lokalen AfD Räume überlassen, nun auch bundesweite Reichweite und Beachtung.
Auf dem erst vor wenigen Wochen neu gestarteten zweiten YouTube-Kanal Weichreite TV Uncut erreichte der Stream aus Osnabrück bereits innerhalb der ersten drei Stunden knapp 25.000 Abrufe. Zum Vergleich: Das letzte von Friedrich Merz auf seinem YouTube-Kanal veröffentlichte Video wurde auch mehr als ein Jahr nach Veröffentlichung nur etwas mehr als 13.000-mal abgerufen.
Protest in der Johannisstraße blieb friedlich und Streamingvideo unspektakulär
Das Video selbst ist über weite Strecken so unspektakulär wie der Protest der rund 200 Demonstrierenden. Darunter waren die Omas gegen Rechts und – ausweislich einiger Fahnen – Anhänger der Antifa. Oft gut versteckt unter Corona-Masken und hinter schwarzen Regenschirmen blieb der Protest friedlich und durchweg auf der gegenüberliegenden Straßenseite der JohannisBier-Stube.
„Gesicht zeigen“ war früher: Bei DRDRN (den Rechten die Räume nehmen) wird sich weitestgehend hinter Bannern und Regenschrimen versteckt / Foto: Pohlmann
In der Gaststätte genossen augenscheinlich zahlreiche Gäste von Gastwirt und AfD-Kommunalwahlkandidat Markus Kemper ungestört ihr Freitagabendbierchen – während draußen die üblichen Parolen gerufen wurden.
Vermummte Ordner und rhythmisches Trommeln: Polizei in Osnabrück auf dem linken Auge blind?
Lediglich zu Beginn des Videostreams des jungen Sachsen mit der markanten Schirmkappe, der in seiner Heimatgemeinde selbst als AfD-Kommunalpolitiker aktiv ist, kam es zu einer kleineren Auseinandersetzung mit der Polizei. Beamte hinderten den Streamer daran, die Straßenseite zu wechseln und sich auf die Seite der Demonstrierenden zu begeben. Eine für ihn nachvollziehbare Begründung dafür erhielt er im Stream zunächst nicht. Nicht ohne schauspielerisches Talent nutzte Weichreite derweil jeden leichten Schubser der Beamten, um sich auf dem Boden in Szene zu setzen und die Einsatzkräfte zu kritisieren.
Während bei anderen Demonstrationen von Regierungskritikern in der jüngsten Vergangenheit auch „rhythmisches Trommeln“ von der Polizei untersagt wurde und grundsätzlich auch in Niedersachsen ein Vermummungsverbot bei Versammlungen gilt, schritten die Beamten hier weder gegen eine Frau ein, die sich im Streamingvideo als Ordnerin bezeichnete und dabei ihr Gesicht weitgehend verhüllt hatte, noch gegen einen rhythmisch trommelnden Demonstranten. Sebastian Weber kommentierte das mit den Worten: „Die Polizei ist auf dem linken Auge blind.“
Antifa und Omas gegen Rechts bei der Demonstration von „Den Rechten die Räume nehmen“ in der Johannisstraße in Osnabrück / Foto: Pohlmann
Stellvertretender AfD-Chef erzählt Weichreite, wie er von der SPD zur AfD kam
Zeitweise kam der stellvertretende Kreisvorsitzende der Osnabrücker AfD, Thomas Spohn, auf die Straße und stand dem YouTuber Rede und Antwort. Dabei berichtete er unter anderem, früher lange Zeit SPD-Wähler gewesen zu sein, und schilderte, wie er schließlich seinen Weg zur AfD gefunden habe.
Nach knapp zwei Stunden löste sich die Demonstration wieder auf. Nicht ohne eine gewisse Komik – wie im Weichreite-Stream zu sehen – zog der letzte verbliebene Teil der Demonstrierenden entlang des Johannistorwalls ab; wie ein kleiner Lindwurm, weiterhin hinter Bannern, Masken und Regenschirmen verborgen.
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