Einst zierten sie die Fassaden von Tante-Emma-Läden, Gaststätten und Wohnhäusern und zogen Kinder in ihren Bann: die knallrot leuchtenden Kaugummiautomaten. Flugs einen Groschen in den Schlitz gesteckt, ungeduldig die Kurbel betätigt und dann plumpsten aus dem Schacht wahlweise eine bunte klebrige Süßwarenkugel, ein Schmuckstück, eine Spielfigur, ein Flummi oder andere Schätze.
Witzeautomat soll Menschen zum Lachen bringen
Heutzutage sind die nostalgischen Kaugummiautomaten nahezu vollständig aus dem Straßenbild verschwunden. Doch seit kurzem gibt es in Osnabrück ein Exemplar im Retrolook mit ungewöhnlichem Inhalt zu entdecken: Witzen. Im Handumdrehen erhält man beim Einwurf einer 20-Cent-Münze eine Kunststoffkapsel, die mit Zeilen zum Schmunzeln befüllt ist. Auf dem auseinandergefalteten Zettel ist dann beispielsweise zu lesen:
Was sagte der Baumeister, als er den Grundstein für den Schiefen Turm von Pisa legte? „Wird schon schiefgehen.“
Eine weitere Kostprobe: Was macht ein Drache im Fußballstadion? Er feuert die Spieler an.
Über 200 lustige Kurzgeschichten und Scherzfragen hat der 13-jährige Julius gesammelt. Zunächst notierte der große Witzefan diese mit seiner gut lesbaren Handschrift auf kleine bunte Zettel, rollte sie auf und pries sie einzeln oder im Bündel von 24 Exemplaren als Adventskalender am Stand seiner Mutter auf dem Koffermarkt in der Lagerhalle zum Kauf an – mit überraschendem Erfolg. Was fasziniert den Teenager an Witzen? „Ich möchte die Menschen zum Lachen bringen“, erklärt Julius seine Begeisterung. Und seine Mutter ergänzt: „Insbesondere in der heutigen von Umbrüchen, Krisen und Kriegen geprägten Zeit ist dies ein schöner Gedanke“. Zusammen mit ihrem Sohn suchte sie nach einer Möglichkeit, das ganze Jahr über Witze anzubieten. Die Lösung: Ein Witzeautomat, wie es ihn bereits in Nürnberg, Dortmund und Witzenhausen gibt. Warum nicht auch in Osnabrück?
Einnahmen gehen an gemeinnützige Organisationen für Kinder in Osnabrück
Mit viel Engagement setzten die beiden ihre Idee um. Als kleinstes Modell erwarben sie ein rot-weiß lackiertes Metallgehäuse mit 2 Innenautomaten samt Kunststoffkugeln, bestückten diese entweder mit Witzen oder farbenfrohen, mit Schrift verzierten Papiersternen und füllten sie schließlich in den Automaten. Auf der Suche nach einem Standort für ihr Projekt stießen sie bei der Katholischen Familienbildungsstätte (FABI) auf Interesse. „Wir würden es sehr schön finden, einen Witzeautomaten in unserem Foyer zu haben“, reagierte die Leiterin Juliane Huesmann begeistert auf die Anfrage von Julius Mutter. Seit Mitte Oktober letzten Jahres erfreut der Automat nun kleine und große Besucherinnen und Besucher der FABI. Und zukünftig auch weitere Menschen, wenn die Drehkurbeln häufig betätigt werden: Denn mit dem Großteil der erzielten Einnahmen sollen gemeinnützige Organisationen und Initiativen vor Ort – wie die Kindermahlzeit, der Ambulante Kinderhospizdienst oder die Kindertafel – finanziell unterstützt werden. Um möglichst viel Geld spenden zu können und den Automatenbetrieb ökologisch nachhaltig zu gestalten, werden die leeren Kunststoffkapseln übrigens in einer Box auf dem Automaten gesammelt und wieder neu befüllt.
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