Bundesweite Aktionen der IG Metall gegen geplante Stellenstreichungen bei VW.
Der Volkswagen-Konzern steht vor tiefgreifenden Veränderungen, die bundesweit für Aufsehen sorgen. Wie die tagesschau berichtet, könnten die Sparpläne des Konzerns vier Werke in Deutschland betreffen: Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm. Ein durchgesickertes Sanierungskonzept sieht demnach den Abbau von bis zu 100.000 Stellen weltweit vor. Volkswagen hat diese Zahlen bisher nicht dementiert, doch die Unsicherheit in den betroffenen Regionen wächst. In Zwickau, wo VW der größte Industriearbeitgeber ist, fürchten Händler und Gastronomen bereits massive Umsatzeinbrüche, sollte der Standort geschlossen werden. Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) warnte vor den Folgen für die Region, in der rund 100.000 Menschen direkt oder indirekt von VW abhängen. "Eine Schließung wäre für die Region unvorstellbar", betonte er.
Hunderte protestieren gegen VW-Sparkurs
Gleichzeitig formiert sich Widerstand gegen die Pläne. Wie das Handelsblatt berichtet, versammelten sich vor der Aufsichtsratssitzung in Wolfsburg Hunderte Mitarbeiter, um gegen den Sparkurs zu protestieren. Betriebsratschefin Daniela Cavallo und IG-Metall-Chefin Christiane Benner stimmten die Belegschaft auf eine "verdammt schwere Zeit" ein. Die Stimmung unter den Beschäftigten sei extrem schlecht, heißt es. Viele kritisieren, dass Stellen "mit der Gießkanne" abgebaut würden, ohne klare Strategie. Auch das Land Niedersachsen, das mit 20 Prozent an VW beteiligt ist, lehnt Werksschließungen ab. Vize-Regierungschefin Julia Willie Hamburg (SPD) betonte, dass solche Maßnahmen keine Zukunftsstrategie seien.
IG Metall mobilisiert bundesweit gegen Stellenabbau
Die IG Metall rief zu bundesweiten Protestaktionen an allen Konzernstandorten auf, darunter auch Audi, Porsche und MAN. In Emden, wo ausschließlich Elektroautos produziert werden, demonstrierten nach Angaben des NDR rund 1.500 Menschen. Oberbürgermeister Tim Kruithoff appellierte an den Konzern, Zukunftsfähigkeit für alle Standorte zu sichern. "Es kann nicht immer nur die Lösung sein, zurückzubauen", sagte er. In Wolfsburg verzögerte sich der Beginn der Aufsichtsratssitzung, was die Dringlichkeit der Beratungen unterstreicht.
VW kämpft mit Absatzrückgang und China-Konkurrenz
Hintergrund der Sparpläne steht der weltweite Absatzrückgang von VW, der von elf Millionen Fahrzeugen vor der Pandemie auf unter neun Millionen gesunken ist. Branchenexperte Frank Schwope sieht mehrere Ursachen, darunter die Konkurrenz aus China und verschlafene Entwicklungstrends wie die Elektromobilität, wie die tagesschau weiter berichtet. Zudem habe VW in guten Jahren strukturelle Anpassungen vermieden.
Aufsichtsrat droht mit Ablehnung der Sparpläne
Die Diskussionen im Aufsichtsrat dürften hitzig verlaufen. Nach Informationen von n-tv gilt es als nahezu ausgeschlossen, dass die Vorschläge des Vorstands unverändert eine Mehrheit finden. Arbeitnehmervertreter und das Land Niedersachsen verfügen gemeinsam über eine klare Mehrheit im Gremium. Bisherige Sparmaßnahmen, die bis 2030 den Abbau von 50.000 Stellen in Deutschland vorsehen, reichen laut Konzernchef Oliver Blume nicht mehr aus. Zölle, geopolitische Spannungen und härter werdende Konkurrenz erforderten eine Neuaufstellung des Konzerns.
