Angesichts deutlicher Kursverluste an der Börse weist TKMS-Chef Oliver Burkhard Zweifel zurück, der Werftkonzern könne mit einem möglichen Großauftrag aus Kanada für bis zu zwölf U-Boote überfordert sein. Der Manager verweist auf die hohe Auslastung, die Kapazitäten der Werften und zusätzliche Kooperationsmöglichkeiten im Ausland. Die Nervosität von Investoren führt Burkhard auch auf politische Entscheidungen in Deutschland und Verzögerungen bei Rüstungsprojekten zurück.
Burkhard weist Zweifel an Belastbarkeit von TKMS zurück
Vor dem Hintergrund der Kursverluste wehrt sich Oliver Burkhard gegen Einschätzungen, TKMS könnte mit dem Großauftrag aus Kanada überfordert sein. „Ich muss zugeben, es ärgert mich, dass da immer wieder Zweifel geschürt werden“, sagte Burkhard der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ, Samstagsausgabe). Auch in Gesprächen mit Investoren, wie etwa dieser Tage bei einer Roadshow in Singapur, werde er jetzt öfter gefragt, ob sich TKMS das große Auftragsvolumen überhaupt zutraue: „Tun wir“, so Burkhard. „Natürlich schaffen wir das, sonst würden wir solche Aufträge doch gar nicht annehmen.“
Der Kurs des M-Dax-Werts war auf 93 Euro gestiegen, als sich Anfang Juli abzeichnete, dass TKMS von Kanada als Lieferant für die zwölf U-Boote ausgewählt wird. Inzwischen ist der Kurs unter 80 Euro abgerutscht. Hintergrund ist die Tatsache, dass TKMS schon jetzt einen Auftragsbestand hat, der mit rund 20 Milliarden Euro fast das Zehnfache des letzten Jahresumsatzes erreicht. Durch den Auftrag aus Kanada sowie die Bestellung von Fregatten durch den Bundestag dieser Tage würde sich der Auftragsbestand noch einmal verdoppeln.
Sorge der Investoren nach Bundesausstieg aus Fregattenprogramm
Der TKMS-Chef verwies gegenüber der FAZ darauf, dass der Kursrutsch stark mit dem abrupten Ausstieg des Bundes aus dem Fregattenprogramm für die F126 zusammenhänge: „Da stellen Investoren nachvollziehbar die Frage, wie verlässlich ein Auftragsbuch ist, wenn die Politik mittendrin eingreifen kann“, sagte Burkhard der FAZ. Mit dem Bau der F126 war das beauftragte Konsortium um Jahre in Verzug geraten. TKMS war daran aber nicht beteiligt.
Für den vorhandenen Auftragsbestand sei TKMS gewappnet, bekräftigte Burkhard. Der große Trumpf sei die Werft in Wismar: „550.000 Quadratmeter überdachte Docks, das größte, was es in Europa gibt.“ Der Vorstandschef stellt zudem in Aussicht, dass TKMS die Aufträge sogar noch schneller abarbeiten könnte als bisher geplant – sofern es zu einer weitergehenden Kooperation mit der spanischen Werft Navantia kommt. Bis Ende des Jahres solle sich das geklärt haben. „Die Spanier sind derzeit unterausgelastet – und wir haben sehr gut zu tun“, so der Hinweis von Burkhard in der FAZ.
Großprojekt Indien weiter offen
Was im Auftragsbuch von TKMS allerdings weiter fehlt, ist die Bestellung von sechs U-Booten für acht Milliarden Euro durch die indische Regierung. Diese hatte beim Indien-Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Januar den seit Jahrzehnten verhandelten Deal in Aussicht gestellt. Ende April hatte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) zusammen mit seinem indischen Amtskollegen Rajnath Singh die TKMS-Werft in Kiel besucht und sich zuversichtlich gezeigt, dass der Vertrag in den folgenden drei Monaten unterzeichnet werden könnte. Angesichts der Finanznöte, in denen die indische Regierung seit der durch den Irankrieg verursachten Energiekrise in Asien steckt, ist dieser Zeitplan nun nicht mehr zu halten.
„Ich rechne damit, dass wir den Auftrag aus Indien bis Ende des Jahres erhalten“, sagte Burkhard der FAZ. Durch die Schließung der Straße von Hormus habe Indien erlebt, was Abhängigkeit von anderen Ländern bedeute. Das Land will bis 2047 rüstungstechnisch autark werden. Auf die Frage, wie realistisch das Geschäft angesichts dieser Gemengelage noch sei, antwortete Burkhard der FAZ: „Wir haben keine Anzeichen dafür, dass der Deal nicht kommt.“ Indien bleibe neben Singapur in Asien der größte Kunde. Daneben erhalte TKMS seit Beginn des Irankriegs viele Anfragen.
