Wenn die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer in den kommenden Jahren in Rente gehen, könnte Niedersachsen vor erheblichen Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt stehen. Eine aktuelle Studie der Karriereplattform JobLeads kommt zu dem Ergebnis, dass das Bundesland bundesweit die viertgrößte Nachwuchslücke zu erwarten hat.
Die Untersuchung basiert auf Daten zur Entwicklung von Beschäftigung, Arbeitslosigkeit, Stellenangeboten und Vakanzzeiten zwischen 2021 und 2025. Hintergrund ist die zunehmende Sorge, dass deutlich mehr Beschäftigte in den Ruhestand wechseln als bislang angenommen. Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft könnte die Lücke auf dem deutschen Arbeitsmarkt langfristig auf mehr als vier Millionen Arbeitskräfte anwachsen.
Fachkräfte fehlen bereits heute
Besonders kritisch bewertet die Studie die Entwicklung bei Fachkräften in Niedersachsen. Die Zahl der unter 25-jährigen Beschäftigten auf Fachkräfteniveau geht demnach jährlich um durchschnittlich 2,07 Prozent zurück. Auch bei den 25- bis unter 35-Jährigen sinkt die Zahl der Fachkräfte um durchschnittlich 1,1 Prozent pro Jahr.
Gleichzeitig wird es für Unternehmen zunehmend schwieriger, offene Stellen zu besetzen. Die Vakanzzeiten für Fachkräftestellen steigen in Niedersachsen laut Studie jährlich um durchschnittlich 11,52 Prozent. Besonders bei Spezialistenstellen stehen immer weniger Bewerber zur Verfügung: Die Zahl der Arbeitssuchenden je Stelle sinkt hier um durchschnittlich 4,39 Prozent pro Jahr.
Ein Drittel der Arbeitslosen ist unter 35 Jahre alt
Auffällig ist zudem der hohe Anteil junger Arbeitsloser. Im Jahr 2025 waren laut der Untersuchung rund 33 Prozent aller Arbeitslosen in Niedersachsen jünger als 35 Jahre. Die Studienautoren sehen darin ein zusätzliches Problem, da fehlende Berufserfahrung und Weiterbildung den späteren Aufstieg in qualifizierte Positionen erschweren können.

Quelle: Jobleads
Nur drei Bundesländer schneiden schlechter ab
Im bundesweiten Vergleich landet Niedersachsen mit einem Indexwert von 6,11 von 10 auf Rang vier der Bundesländer mit den größten erwarteten Nachwuchsproblemen. Nur das Saarland, Sachsen und Baden-Württemberg schneiden schlechter ab.
Das Saarland weist mit einem Indexwert von 4,62 den höchsten Handlungsbedarf auf. Dort sinkt die Zahl junger Fachkräfte bereits heute deutlich, während gleichzeitig die Besetzungszeiten offener Stellen stark steigen.
