Die ehemalige Herz-Jesu-Kirche am Herrenteichswall in Osnabrück soll zum Herzstück der Zukunft der Städtischen Bühnen werden. Nach einer umfangreichen Machbarkeitsstudie empfiehlt die Stadtverwaltung weiterhin gemeinsam mit dem Theater, das denkmalgeschützte Gebäude zu einem neuen Probenzentrum mit Kostümwerkstatt umzubauen. Noch handelt es sich allerdings lediglich um einen Verwaltungsvorschlag – die endgültige Entscheidung trifft der Rat der Stadt.
Historischer Schritt für die Theatersanierung
Das geplante Probenzentrum ist ein zentraler Baustein für die seit Jahren diskutierte Generalsanierung des Theaters am Domhof. Erst durch die Auslagerung von Probebühnen und Werkstätten kann das Theater während der Sanierung abschnittsweise weiterbetrieben werden. Theaterintendant Ulrich Mokrusch unterstreicht die Bedeutung des Vorhabens: „Es ist ein historischer Schritt, den die Stadt geht. Und er ist dringend notwendig.“

Im Inneren der ehemaligen Kirche entsteht nicht nur eine von insgesamt drei Probebühnen, sondern dank Bestuhlung auch eine weitere Spielstätte neben dem Theater am Domhof und dem emma-theater. (Bild KI-generiert) / Foto: Stadt Osnabrück
Auch Matthias Köhn, Kaufmännischer Direktor des Theaters, betonte beim Pressegespräch am Freitag (26. Juni), dass mit dem Standort Herz-Jesu-Kirche die wesentlichen Theaterfunktionen zentral in der Innenstadt erhalten bleiben. Zugleich erinnerte er daran, dass über eine grundlegende Sanierung des Theaters bereits seit 2010 gesprochen werde.
Warum die Herz-Jesu-Kirche?
Untersucht wurden zwei mögliche Standorte: die ehemalige Herz-Jesu-Kirche und ein Neubau am Limberg. Nach Abwägung aller Vor- und Nachteile spricht sich die Verwaltung klar für die Kirche am Herrenteichswall aus. Die Vorteile liegen auf der Hand: Das Gebäude befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Theater am Domhof, ist hervorragend an den öffentlichen Nahverkehr angebunden und ermöglicht kurze Wege für Beschäftigte und Ensembles. Gleichzeitig würde das denkmalgeschützte Kirchengebäude eine neue kulturelle Nutzung erhalten. Geplant ist zudem eine kleine zusätzliche Spielstätte, die das Kulturangebot in der Innenstadt erweitern könnte.
Oberbürgermeisterin Katharina Pötter sieht darin weit mehr als ein Bauprojekt: „Das ist eine große Chance, nach sakraler Nutzung in der Herz-Jesu-Kirche einen Ort auch für die Stadtgesellschaft zu schaffen.“ Auch Stadtbaurat Thimo Weitemeier hebt die Chancen hervor: „Ich halte das Projekt städtebaulich für äußerst spannend. Es ist gut für eine lebendige Innenstadt.“ Das Bistum Osnabrück bewertet die Pläne ebenfalls positiv und spricht von einer Win-Win-Situation.
Stadtbaurat Thimo Weitemeier beim Pressegespräch zur Vorstellung der Machbarkeitsstudie. / Foto: Dominik Lapp
Nicht ohne Herausforderungen
Ganz ohne Hürden wird das Projekt allerdings nicht umgesetzt werden können. Der Baugrund am Herrenteichswall gilt wegen des hohen Grundwasserstands als anspruchsvoll, was Planung und Bau verteuert. Hinzu kommt, dass die Dekorationswerkstatt aus Platzgründen nicht in die ehemalige Kirche integriert werden kann. Sie soll weiterhin an der Rheinstraße bleiben, was zusätzliche Transporte zwischen den Standorten erforderlich macht.
Außerdem müssen für die derzeit in der Herz-Jesu-Kirche untergebrachte Kita Herz-Jesu sowie die Jugendhilfe Don Bosco neue Lösungen gefunden werden. Die Kosten für die Verlagerung der Kita sind in der aktuellen Kalkulation noch nicht enthalten.
Knapp 37 Millionen Euro für das Kernprojekt
Für den Umbau des Gebäudes kalkuliert die Machbarkeitsstudie mit rund 36,9 Millionen Euro. Hinzu kommen optionale Maßnahmen wie eine Dach- und Fassadensanierung im Umfang von etwa 3,04 Millionen Euro. Eine Risikoreserve für mögliche Überraschungen an der historischen Bausubstanz ist bereits eingerechnet.
Die Finanzierung steht allerdings noch nicht. Die Stadt rechnet mit guten Chancen auf Fördergelder aus den Bereichen Städtebau, Denkmalschutz, Kultur und energetische Sanierung. Erste Förderzusagen werden frühestens ab 2028 erwartet.
Rat hat das letzte Wort
Bevor aus den Plänen Realität werden kann, muss der Rat der Stadt Osnabrück dem Vorhaben zustimmen. Für Kulturdezernent und Ersten Stadtrat Wolfgang Beckermann wäre das ein entscheidender Meilenstein: „Wir gehen damit einen riesigen Schritt in Richtung Theatersanierung, wenn der Rat zustimmt.“
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