RWE sprengt Kesselhaus in Voerde – Schaulustige verfolgen das Spektakel.
In Voerde hat der Energiekonzern RWE am Freitagmittag das rund 90 Meter hohe Kesselhaus eines 2017 stillgelegten Steinkohlekraftwerks kontrolliert gesprengt. Wie die Ruhr Nachrichten berichten, stürzte das Bauwerk zu Boden, während zahlreiche Schaulustige das Geschehen von einem Deich aus verfolgten. Auch der Schiffsverkehr auf dem Rhein wurde für etwa zwei Stunden unterbrochen, wie das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Duisburg mitteilte. Betroffen seien voraussichtlich vier bis 40 Schiffe, die entweder langsamer oder schneller fahren müssten, um nicht anhalten zu müssen.
Dritte Sprengung auf Kraftwerksgelände
Laut dem WDR wurden neben dem Kesselhaus auch zwei benachbarte Entstickungsanlagen gesprengt. Um die Staubentwicklung zu begrenzen, kamen Wasserkanonen zum Einsatz. Die Sprengung war bereits die dritte auf dem Gelände: 2023 war der rund 160 Meter hohe Kühlturm umgelegt worden, im Dezember 2025 ein über 180 Meter hoher Schornstein. Der Abriss des Kraftwerks wurde von Unglücken überschattet, darunter ein tödlicher Arbeitsunfall im August 2025 und ein Brand im April 2026, der einen Großeinsatz der Feuerwehr auslöste.
RWE plant neues Wasserstoffkraftwerk
RWE plant auf dem Gelände ein wasserstofffähiges Gas-und-Dampfturbinen-Kraftwerk mit einer Kapazität von rund 850 Megawatt, das voraussichtlich 2030 in Betrieb gehen könnte. Voerdes Bürgermeister Dirk Haarmann (SPD) hofft auf mindestens 150 neue Arbeitsplätze und will zudem ein Kompetenzzentrum für Wasserstoff-Forschung und -Produktion ansiedeln. Eine Investitionsentscheidung für das Gaskraftwerk stehe jedoch noch aus, wie ein RWE-Sprecher dem WDR sagte.
Sprengung bringt Verkehrschaos und Sorgen
Die Stadt Voerde rechnet mit erheblichen Einschränkungen im Straßenverkehr und Sperrungen im Umfeld der Sprengung. Gastronomin Sandra Böhmer, deren „Strandhaus Ahr“ in der Evakuierungszone liegt, zeigte sich trotz früherer Erfahrungen mit Sprengungen nervös. „Ich war supernervös“, erzählte sie dem WDR, doch damals sei alles heil geblieben.
Kraftwerk prägte Region über Jahrzehnte
Das einstige Kraftwerk war in den 1970er Jahren errichtet und später erweitert worden. In seiner Blütezeit erzeugte es mehr als 2.000 Megawatt Strom und prägte mit seinem Kühlturm und den hohen Schornsteinen das Bild der Region. Bis zum ersten Halbjahr 2027 soll ein großer Teil der Fläche wieder bebaubar sein.