Nach seinem kurzen deutschen Bühnenleben in Hamburg und Stuttgart meldet sich das Musical „Rocky“ eindrucksvoll zurück – und feiert bei den Freilichtspielen Tecklenburg zugleich seine Open-Air-Premiere. Dabei setzt die Produktion nicht auf Nostalgie, sondern auf eine überarbeitete Fassung mit gestrafftem Buch, neu gesetzten Übergängen und klarerem Erzählfluss.
Große Bühne, nah an den Figuren
Regisseurin Janina Niehus gelingt das Kunststück, das eigentlich intime Musical auf die weitläufige Freilichtbühne zu übertragen. Trotz der Dimensionen bleiben die Beziehungen greifbar und die Figuren präsent. Der Chor (Gülfidan Söylemez) und die Choreografie (Faye Heather Anderson und Alex Agalarov) sorgen für Dynamik und beleben die Straßenbilder des Philadelphia der Siebzigerjahre, ohne die persönlichen Momente zu überdecken.

Lucas Baier ist ein starker Rocky-Darsteller. / Foto: Dominik Lapp
Filmgefühl unter freiem Himmel
Das Bühnenbild (Jens Janke) übersetzt die Welt des Films detailreich in die Freilichtdimension: Boxclub, Wohnungen, Tierhandlung und die ikonische Eisfläche schaffen vertraute Schauplätze mit starker Atmosphäre. Auch die Kostüme (Fabienne Ank) treffen den Ton der Zeit – besonders die glitzernden Showbilder rund um Apollo setzen bewusst Kontraste zu Rockys bodenständigem Alltag.
Druckvoller Sound mit Wiedererkennung
Musikalisch setzt Tecklenburg erneut auf Größe. Das erweiterte Orchester (Dirigent: Giorgio Radoja) verleiht der Partitur von Stephen Flaherty deutlich mehr Wucht und trägt die emotionalen wie die großen Showmomente sicher durch den Abend. Nicht jede Nummer bleibt dauerhaft hängen, doch die stärkeren Songs und die bekannten musikalischen Verweise auf den Film sorgen zuverlässig für entsprechende Publikumsreaktionen.

Celena Pieper (Adrian, re.) und Gerben Grimmius (Paulie, li.) sorgen für eine besonders eindringliche Szene. / Foto: Dominik Lapp
Exzellentes Ensemble mit klaren Akzenten
Lucas Baier überzeugt in der Titelrolle nicht nur mit erstklassiger Stimme und durch seine körperliche Präsenz, sondern auch durch eine glaubwürdige Entwicklung vom orientierungslosen Außenseiter zum Kämpfer mit Ziel. Den stärksten Eindruck hinterlässt jedoch Celena Pieper (aufgewachsen in Georgsmarienhütte) als Adrian: differenziert, zurückhaltend und mit großer emotionaler Wirkung – besonders in ihren selbstbewussten Momenten.
Auch das weitere Ensemble trägt den Abend: Vic Anthony gibt Apollo charismatisch und bühnenwirksam, Gerben Grimmius gestaltet Paulie intensiv und vielschichtig. Esther-Larissa Lach sorgt als Gloria für Wärme und klare Haltung, Benjamin Eberling verleiht Mickey große Herzlichkeit. Gioia Heid und Lara Schitto bringen zusätzliche Lebendigkeit in die Nebenfiguren. Also: „Rocky“ in Tecklenburg auf keinen Fall verpassen!

Natürlich darf auch die berühmte Schlachthausszene nicht fehlen. / Foto: Dominik Lapp
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