Nur gut einen Monat nach der Ankündigung für das „Aus“ ist in der Herforder Brauerei bereits der letzte Sud gebraut worden. Damit ist das Ende der traditionsreichen Braustätte in ihrem Herzstück, dem Sudhaus, bereits Wirklichkeit geworden: Neues Herforder Bier, das auch wirklich aus eigener Brauerei kommt, wird es, wenn die Lagerbestände abgefüllt und verkauft sind, nicht mehr geben, voraussichtlich Ende August ist Schluss .
Noch laufen am Standort offenbar weitere Arbeitsschritte, noch wird Bier gelagert, abgefüllt und ausgeliefert. Doch der eigentliche Brauvorgang ist nach einem Bericht der Westfalenpost (hinter Paywall) bereits abgeschlossen. Spätestens Ende August soll die Produktion in Herford vollständig eingestellt werden. Die Marke Herforder soll zwar weiterleben, gebraut wird sie künftig jedoch am Stammsitz der Haus Cramer Gruppe in Warstein.
Fast 150 Jahre Brautradition vor dem Ende
Seit 1878 wurde in Herford Bier gebraut. Aus der früheren Brauerei Felsenkeller wurde die Marke Herforder, die über Jahrzehnte weit über Ostwestfalen hinaus bekannt wurde. Mit dem letzten Sud endet nun ein Stück regionaler Braugeschichte – auch wenn das Etikett auf den Flaschen voraussichtlich bleiben wird.
Auch Osnabrück verliert ein Stück Heimatbier
Besonders eng ist die Marke Herforder auch mit Osnabrück verbunden. Nach dem Ende der Osnabrücker Aktien-Bierbrauerei auf dem Westerberg wurde Herforder für viele Biertrinker in der Friedensstadt zur heimlichen Hausmarke. Rund um die Bremer Brücke gehört Herforder seit Jahrzehnten zum Stadionerlebnis; bereits seit 1996 wird das Bier beim VfL Osnabrück ausgeschenkt.
Erst 2024 wurde der Sponsoringvertrag zwischen Herforder und dem VfL Osnabrück nach Informationen der HASEPOST langfristig verlängert. Damit dürfte das Bier auch künftig an der Bremer Brücke präsent bleiben – nur eben nicht mehr als Herforder aus Herford.
Arbeitsplätze und Standortzusage
Auch arbeitsrechtlich und wirtschaftlich ist das Ende der Brauerei ein harter Einschnitt. Von der Schließung sind zahlreiche Beschäftigte betroffen. Parallel laufen Verhandlungen über Sozialpläne, Abfindungen und mögliche Wechselangebote an andere Standorte der Haus Cramer Gruppe.
Für zusätzliche Enttäuschung sorgt, dass es nach Angaben der Gewerkschaft NGG eine Standortzusage bis Ende 2028 gegeben haben soll. Die Beschäftigten hatten demnach in den vergangenen Jahren finanzielle Einschnitte hingenommen, um zur Sicherung der Standorte beizutragen. Laut Westfalenpost stützt sich die Brauerei auf einen strittigen Passus im mit den Mitarbeitern geschlossenen Zukunftssicherungstarifvertrag, der das schnelle Ende ermöglicht.
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