Nach dem Ende der traditionsreichen Osnabrücker Brauerei auf dem Westerberg war Herforder für viele Menschen in der Friedensstadt zur heimlichen Hausmarke geworden. Nun steht auch diese ostwestfälische Traditionsbrauerei vor dem Aus – auch wenn die Marke zumindest vorerst weiterleben soll. Nur eben künftig irgendwo anders gebraut.
Die Haus Cramer Gruppe, zu der unter anderem das Industriebier Warsteiner gehört, will den Standort Herford im zweiten Halbjahr 2026 schließen.
Was ist los mit den Deutschen? Keine Lust mehr auf Bier?
Für viele Biertrinker zwischen Bremer Brücke und Landkreisgrenze endet damit ein weiteres Kapitel regionaler Braukultur. Allerdings tragen die Verbraucher ihren Teil dazu bei: Der Bierkonsum in Deutschland sinkt seit Jahren deutlich. Allein im vergangenen Jahr brach der Bierabsatz gegenüber dem Vorjahr um 6,0 Prozent ein.
Seit 1996 das Stadionbier an der Bremer Brücke
Die Nachricht aus der Konzernzentrale im Sauerland dürfte nicht nur in Ostwestfalen, sondern auch in Osnabrück für lange Gesichter sorgen. Seit Jahrzehnten gehört Herforder Pils fest zum Stadtbild rund um die Bremer Brücke. Bereits seit 1996 wird Herforder als Stadionbier beim VfL Osnabrück ausgeschenkt.
Nach dem Ende der Osnabrücker Brauerei auf dem Westerberg entwickelte sich die Marke aus Hiddenhausen für viele Osnabrücker fast automatisch zum regionalen Ersatz – geografisch nah, im Fußball präsent und tief mit der Region verbunden.
211 Arbeitsplätze von Konzernentscheidung betroffen
Wie die Haus Cramer Gruppe am Donnerstag mitteilte, soll die Produktion in Herford komplett eingestellt werden. Betroffen sind dort 98 Mitarbeiter. Parallel sucht der Konzern auch für die Brauerei in Paderborn einen Käufer. Sollte kein Investor gefunden werden, droht Ende 2026 auch dort das Produktionsende. Insgesamt stehen damit 211 Arbeitsplätze auf dem Spiel.
Wenn künftig nicht mehr Herforder in Herforder steckt
Die Biermarken „Herforder“ und „Paderborner“ sollen zwar erhalten bleiben, künftig aber am Stammsitz in Warstein produziert werden. Die Unternehmensgruppe begründet den drastischen Schritt mit dem seit Jahren sinkenden Bierkonsum in Deutschland.
Das Vorgehen erinnert fatal an das Ende der Osnabrücker Aktien-Bierbrauerei (OAB): Erst kam das Bier nur noch aus Dortmund statt vom Westerberg – am Ende verschwanden Marke und Braukessel komplett.
Vor einem Jahr noch Millioneninvestitionen
Besonders überraschend wirkt das angekündigte Aus, weil die Brauerei erst Anfang 2025 öffentlich massive Zukunftsinvestitionen gefeiert hatte. Damals wurde am Standort Hiddenhausen eine neue hochmoderne Abfüllanlage offiziell eingeweiht – Investitionssumme: rund 20 Millionen Euro.
Mit der neuen Technik sollten künftig bis zu 50.000 Flaschen pro Stunde abgefüllt werden können. Die Anlage war bewusst darauf ausgelegt worden, neben Bier auch neue Getränkesegmente wie Biermischgetränke, Tonic Water oder karbonisierte Limonaden zu produzieren. Die Unternehmensführung sprach damals ausdrücklich davon, den Standort „für die Zukunft aufzustellen“.
Brauerei-Erbin sprach 2025 noch von einer starken Zukunft
Catharina Cramer, Inhaberin der Haus Cramer Gruppe, hatte bei der Eröffnung erklärt, dass man mit der Investition die Brauerei „toll für die Zukunft aufstellen“ wolle – und das liegt gerade einmal etwas mehr als ein Jahr zurück.
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) wirft der Unternehmensführung deshalb einen klaren Bruch bestehender Zusagen vor. Laut NGG existiert ein Zukunftssicherungsvertrag, der die Standorte Herford und Paderborn eigentlich bis Ende 2028 absichern sollte. Dafür hätten die Beschäftigten seit 2021 auf Tariferhöhungen, Urlaubsgeld und Teile des Weihnachtsgeldes verzichtet.
VfL-Vertrag erst 2024 langfristig verlängert
Gerade in Osnabrück dürfte die Entwicklung viele Fans irritieren. Erst 2024 war der Sponsoringvertrag zwischen Herforder und dem VfL Osnabrück verlängert worden, nach Informationen unserer Redaktion gleich um fünf Jahre. Das demnächst nicht mehr in der Region gebraute Herforder bleibt damit wohl Stadionbier an der Bremer Brücke – es sei denn, das Management aus dem Sauerland will nun Warsteiner an der Hase bewerben.
Die Produktion in Herford soll nach bisherigen Planungen bereits im zweiten Halbjahr 2026 eingestellt werden.