Vor dem Schöffengericht am Amtsgericht in Bad Iburg müssen sich eine 54-jährige Frau und ein 61-jähriger Mann aus Bad Rothenfelde verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Insolvenzverschleppung vor. Gegen den Mann stehen zusätzlich Vorwürfe des gewerbsmäßigen Betrugs in sechs Fällen sowie der Verleitung zur Abgabe einer falschen Versicherung an Eides Statt im Raum.
Anzahlungen kassiert trotz finanzieller Schieflage?
Im Mittelpunkt des Verfahrens steht eine GmbH aus Bad Rothenfelde, die mit Kühlfahrzeugen handelte. Offiziell soll die 54-Jährige alleinige Geschäftsführerin gewesen sein. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft führte jedoch der Mitangeklagte tatsächlich die Geschäfte. Die Firma soll spätestens seit April 2022 dauerhaft zahlungsunfähig und überschuldet gewesen sein. Dennoch sollen weiterhin Kühlfahrzeuge verkauft und Anzahlungen angenommen worden sein.
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte billigend in Kauf nahm, die Fahrzeuge später nicht liefern und die Anzahlungen nicht zurückzahlen zu können. Stattdessen sollen die Gelder genutzt worden sein, um alte Verbindlichkeiten zu begleichen.
Kühlwagen doppelt verkauft?
Besonders brisant wirkt ein Vorwurf aus dem Mai 2023: Demnach soll der Angeklagte einen Kühlwagen an eine Käuferin im Landkreis Vorpommern-Greifswald ausgeliefert haben, obwohl das Fahrzeug zuvor bereits an einen anderen Interessenten verkauft worden war. Die Fahrzeugpapiere sollen bereits dem ersten Käufer übergeben worden sein. Gegenüber der späteren Käuferin habe der Mann jedoch behauptet, die Unterlagen bereits per Post verschickt zu haben.
Falsche Versicherung an Eides Statt?
Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft glaubte die Käuferin diese Erklärung und gab bei der Zulassungsstelle eine falsche Versicherung an Eides Statt ab. Darin erklärte sie, die Fahrzeugpapiere seien auf dem Postweg verloren gegangen.
Die Ermittler gehen davon aus, dass beiden Angeklagten die wirtschaftliche Lage der GmbH spätestens seit April 2022 bekannt gewesen sei. Trotzdem sei der Insolvenzantrag erst im Februar 2024 gestellt worden. Zu diesem Zeitpunkt soll die Firma mit mindestens 172.963,06 Euro überschuldet gewesen sein.
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