Auf dem Friedhof Eversburg erinnern zwei neue Gedenktafeln an Opfer des Nationalsozialismus und der Nachkriegszeit. Erarbeitet wurden sie von Schülerinnen und Schülern der IGS Eversburg.
Erinnerung bekommt einen Ort im Alltag
Im Laufe des Schuljahres 2025/26 haben sich Schülerinnen und Schüler der IGS Eversburg intensiv mit den Kriegsgräbern auf dem Eversburger Friedhof beschäftigt. Dabei ging es ihnen vor allem darum, den oft anonym gebliebenen Opfern ein Stück ihrer Geschichte zurückzugeben. Im Mittelpunkt standen die Schicksale von Sinti und Roma sowie von jugoslawischen Kriegsgefangenen des ehemaligen Offizierslagers VI C. Ziel des Projekts war es, die Menschen hinter den Namen sichtbar zu machen und einen Ort zu schaffen, an dem Erinnerung im Alltag präsent bleibt.
Gemeinschaftsprojekt mit vielen Unterstützern
Über mehrere Monate hinweg befassten sich die Schülerinnen und Schüler mit Biografien, Todesumständen und historischen Hintergründen der Opfer des Nationalsozialismus sowie der unmittelbaren Nachkriegszeit. Unterstützt wurden sie dabei vom Verein Spurensuche und der Antikriegsbaracke Atter-Osnabrück. Auch handwerklich erhielt das Projekt Unterstützung aus Osnabrück: Die Jugendwerkstatt an der Dammstraße fertigte die Halterungen für die Tafeln an, der Osnabrücker ServiceBetrieb übernahm die Aufstellung.
Erste Tafel erinnert an Sinti und Roma
Zur Einweihung der ersten Tafel begrüßte Oberbürgermeisterin Katharina Pötter die Anwesenden und würdigte das Engagement der Jugendlichen. Das Projekt zeige eindrucksvoll, wie junge Menschen Verantwortung für die Geschichte übernehmen können.
Bei der Gedenkfeier legten die Schülerinnen und Schüler zudem ein Gesteck für die Opfer der Sinti und Roma nieder. In ihrer Ansprache machten sie deutlich, warum ihnen das Projekt wichtig war: „Auch Sinti und Roma waren Opfer von Ausgrenzung und Diskriminierung. Über ein ganzes Schuljahr hinweg hat uns die Geschichte der Sinti und Roma in Osnabrück begleitet. Gedenken bedeutet mehr als Erinnern. Es bedeutet auch, Verantwortung für die Gegenwart und für die Zukunft zu übernehmen. Wir sind dankbar, dass wir die Möglichkeit hatten, mit dieser Tafel auch Verantwortung zu übernehmen“, erklärten die Schülerinnen und Schüler.
Während ihrer Recherche stellten die Jugendlichen fest, dass die Gräber über den gesamten Friedhof verstreut liegen. Um diese Dimension sichtbar zu machen, erarbeiteten sie zusätzlich einen Lageplan, der die einzelnen Grabstätten dokumentiert.
Gemeinsames Erinnern über Ländergrenzen hinweg
Auch die Einweihung der zweiten Tafel war von besonderer Bedeutung. Sie widmet sich dem jugoslawischen Gräberfeld auf dem Friedhof. Neben Schülerinnen und Schülern der IGS Eversburg nahmen auch Jugendliche aus Serbien, Angehörige eines Kriegstoten aus Montenegro sowie der serbische Generalkonsul an der Kranzniederlegung teil.
Ein bewegender Moment war der musikalische Beitrag der serbischen Jugendlichen. In traditionellen Trachten unterschiedlicher südosteuropäischer Länder sangen sie Lieder zum Gedenken an die Verstorbenen – ein Zeichen des gemeinsamen Erinnerns über Ländergrenzen hinweg. Zum Abschluss des Projekts berichteten die Schülerinnen und Schüler über ihre Arbeitsergebnisse, bevor die zweite Tafel feierlich enthüllt wurde.
Friedhof wird zum Lern- und Erinnerungsort
Die Lehrkräfte der IGS Eversburg hoben besonders die Bedeutung des Friedhofs als Lernort hervor. Der Ort sei mehr als ein Platz der Stille und des Abschieds.
„Wir haben erfahren: Ein Friedhof ist mehr, als man auf den ersten Blick vermuten mag. Er ist nicht nur ein Ort der Stille und des Abschieds, sondern auch ein Archiv unserer Stadt, ein offenes Geschichtsbuch. Hier wird Vergangenheit konkret. Dieser Ort in unmittelbarer Nähe unserer Schule erinnert uns tagtäglich daran, dass Geschichte nicht fern ist – sie ist hier, sie ist Teil unseres täglichen Weges. Mit den neuen Gedenktafeln wird Geschichte hier noch konkreter erfahrbar und der Friedhof für uns auch unmittelbar zu einem Lernort“, erklärten die Lehrkräfte.
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