Polizei bestätigt Detonation, Betreiber spricht von Anschlag. Stromversorgung nicht beeinträchtigt.
An einem Umspannwerk in Turnow-Preilack (Brandenburg) nahe dem Kohlekraftwerk Jänschwalde sind am Dienstagmorgen Spreng- und Brandvorrichtungen entdeckt worden. Wie der Spiegel und rbb24 berichten, gab es mindestens eine Detonation. Die Polizei bestätigte, dass mehrere unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen gefunden wurden, von denen nicht alle explodiert seien. Entschärfer seien vor Ort, eine Gefahr für die Bevölkerung bestehe nicht, so die Behörden. Das Landeskriminalamt Brandenburg hat die Ermittlungen übernommen.
Selbstgebaute Flugkörper unterbrachen Stromleitung
Der Netzbetreiber 50Hertz sprach von einer kurzzeitigen Leitungsunterbrechung, die mittlerweile behoben sei. Alle Leitungen seien wieder in Betrieb, die allgemeine Stromversorgung nicht beeinträchtigt. Nach Angaben des Unternehmens ähnelten die verwendeten Vorrichtungen selbstgebauten Flugkörpern, die handelsüblichen Silvesterraketen glichen. Vor Ort seien weitere nicht gestartete Flugkörper gefunden worden. Der Kraftwerksbetreiber Leag hingegen bezeichnete den Vorfall als Anschlag und berichtete von einem technischen Ausfall eines Blocks im Kraftwerk Jänschwalde. Ein möglicher Zusammenhang werde geprüft, hieß es.
Politiker verurteilen Anschlag auf Stromnetz
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) verurteilte den Vorfall als Anschlagsversuch und betonte die Notwendigkeit, kritische Infrastrukturen entschlossen zu schützen. Auch Infrastrukturminister Robert Crumbach (SPD) sprach von einem Angriff auf die Versorgungssicherheit. Die Märkische Allgemeine hatte zuvor berichtet, das Umspannwerk sei mehrmals getroffen worden, mit dem Ziel, einen großflächigen Stromausfall herbeizuführen. Das LKA widersprach jedoch Berichten über gefundene Raketen und betonte, es handele sich nicht um solche Vorrichtungen.
Jänschwalde: DDR-Erbe als Ziel von Anschlägen
Das Kraftwerk Jänschwalde, eines der größten Kohlekraftwerke Brandenburgs, wurde zwischen 1976 und 1989 als letzter Kraftwerksneubau der DDR errichtet. Es speist den erzeugten Strom über das Umspannwerk Preilack in das Übertragungsnetz ein. Im Januar hatten mutmaßlich linksextreme Täter Starkstromleitungen nahe einem Berliner Kraftwerk angezündet, was zu einem tagelangen Stromausfall für tausende Haushalte führte. Zu dem Anschlag bekannten sich die sogenannten Vulkangruppen.