Die USA wollen ihren teilweisen Rückzug aus der gemeinsamen Verteidigung Europas offenbar schneller vorantreiben als bisher bekannt. Auf einer Nato-Konferenz im Juni sollen die europäischen Verbündeten erfahren, welche militärischen Fähigkeiten Washington künftig nicht mehr oder nur noch eingeschränkt bereitstellen will. Das berichtet die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf einen hochrangigen Vertreter des US-Verteidigungsministeriums.
Schneller Übergang zu europäischer Verantwortung
Ein hochrangiger Vertreter des US-Verteidigungsministeriums kündigte laut „Welt am Sonntag“ an, dass bei der nächsten sogenannten Force-Sourcing-Konferenz der Nato im Juni detailliert dargelegt werden soll, welche Beiträge die USA künftig für die Verteidigung Europas zurückfahren. „Diese Änderungen werden bei der nächsten Force-Sourcing-Konferenz der Nato in unser Truppen- und Fähigkeitsangebot einfließen“, bestätigte der Vertreter.
Ziel sei es demnach, die Voraussetzungen für einen raschen Übergang in der Bündnisverteidigung zu schaffen. Man wolle den Verbündeten die „nötige Information und Klarheit“ verschaffen, um den „Übergang zu einer europäischen Verteidigung“, bei der „die Alliierten die Hauptverantwortung für die konventionelle Verteidigung Europas übernehmen, so schnell und effektiv wie möglich voranzutreiben“, so der Pentagon-Vertreter gegenüber der Zeitung.
Mit der nun bestätigten Ankündigung konkreter Reduzierungen werde deutlich, dass Washington den europäischen Verbündeten keine langen Übergangsfristen einräumt, berichtet die „Welt am Sonntag“.
Planung für mehrere Konflikte gleichzeitig
Nach Angaben des hochrangigen Vertreters des US-Verteidigungsministeriums behält sich US-Präsident Donald Trump stets das Recht vor, „in jeder Situation so zu handeln, wie er es für angemessen hält“. Aufgabe des Pentagon sei es, „im Sinne der Nationalen Verteidigungsstrategie vorausschauend für den Fall zu planen, dass die USA mit mehreren Konflikten gleichzeitig konfrontiert werden“, zitierte die „Welt am Sonntag“ den Vertreter.
Sollten die USA „am Ende in einer weniger angespannten Situation“ sein, verschaffe dies „zusätzlichen Spielraum“, hieß es weiter aus dem Pentagon, wie die Zeitung berichtet.
Unklarheit über konkrete Kürzungen
Welche militärischen Fähigkeiten konkret reduziert werden sollen, ist bislang nicht öffentlich festgelegt. Im Fokus stehen nach Informationen der „Welt am Sonntag“ jedoch Beiträge zum sogenannten Nato Force Model (NFM), dem System für die schnelle Verstärkung des Bündnisses im Kriegsfall.
Nach Informationen der Zeitung gibt es zudem innerhalb der US Army Europe Zweifel, ob die Nato ihre regionalen Verteidigungspläne mit den derzeit verfügbaren Kräften vollständig umsetzen kann.
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