Streiks und teures Kerosin belasten die Airline schwer – hohe Ticketpreise bleiben
Die Lufthansa hat im zweiten Quartal 2026 einen deutlichen Rückgang des operativen Gewinns verzeichnet. Wie der Spiegel und die Neue Westfälische berichten, brach das bereinigte Betriebsergebnis (EBIT) um 56 Prozent auf 383 Millionen Euro ein. Als Hauptgründe gelten die durch den Iran-Krieg gestiegenen Kerosinkosten sowie ein einwöchiger Streik der Cockpit-Beschäftigten im April, der das Ergebnis mit rund 150 Millionen Euro belastete. Die Mehrausgaben für Treibstoff betrugen trotz Absicherung von über 80 Prozent des Bedarfs rund 750 Millionen Euro im Quartal.
Gewinn stürzt trotz Umsatzplus ab
Trotz eines Umsatzplus von acht Prozent auf 11,1 Milliarden Euro sank der Nettogewinn sogar um 88 Prozent auf 123 Millionen Euro. Analysten hatten mit einem Rückgang auf etwa 400 Millionen Euro gerechnet, wie die Neue Westfälische und finanzen.net übereinstimmend melden. Die Marge lag mit 3,4 Prozent deutlich unter dem mittelfristigen Ziel von acht bis zehn Prozent. Finanzchef Till Streichert erklärte, rund 60 Prozent der höheren Kerosinkosten seien durch höhere Ticketpreise kompensiert worden. Auch im zweiten Halbjahr sollen die Preise steigen, da die Nachfrage nach Flugreisen ungebrochen sei, besonders im Premiumsegment und auf Asien-Strecken.
Lufthansa senkt Gewinnprognose deutlich
Die Lufthansa passte ihre Jahresprognose an und hält nun einen Gewinnrückgang für möglich. Ursprünglich hatte der Konzern angekündigt, den Vorjahreswert von 1,96 Milliarden Euro deutlich zu übertreffen. Die Treibstoffkosten für das Gesamtjahr werden nun auf 8,7 Milliarden Euro geschätzt, 200 Millionen Euro weniger als noch im Mai erwartet. Die Versorgungslage mit Kerosin habe sich laut Konzernchef Carsten Spohr in den vergangenen Wochen normalisiert, da Raffinerien ihre Kapazitäten erhöht und neue Lieferketten aufgebaut hätten.
Passagiergeschäft bremst Konzernergebnis stark
Während die Töchter Lufthansa Technik und Lufthansa Cargo positive Ergebnisbeiträge lieferten, geriet das Passagiergeschäft unter Druck. Die Netzwerk-Airlines wie Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines erzielten im zweiten Quartal einen bereinigten operativen Gewinn von 137 Millionen Euro, fast eine halbe Milliarde weniger als im Vorjahr. Die Regionaltochter Cityline wurde früher als geplant eingestellt, wodurch rund 20.000 Europaflüge gestrichen wurden. Konzernweit sank die Zahl der Fluggäste um vier Prozent auf 35,6 Millionen.
Lufthansa verliert gegen europäische Konkurrenten
Die europäischen Konkurrenten Air France-KLM und IAG verzeichneten geringere Gewinneinbußen als die Lufthansa. Während IAG einen Rückgang des operativen Ergebnisses um ein Viertel meldete, lag der Rückgang bei Air France-KLM bei einem Drittel. Beide Unternehmen schraubten ihr Kapazitätswachstum zurück, ähnlich wie die Lufthansa, die ihr Flugangebot für 2026 nun stagnieren lässt statt wie geplant um bis zu vier Prozent zu wachsen.