Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt nach den ersten Prognosen mit großem Abstand gewonnen und ihr Ergebnis von 2021 mehr als verdoppelt. Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze erlebt dagegen einen historischen Absturz. Noch offen ist am frühen Wahlabend eine entscheidende Frage: Reicht das Ergebnis der AfD möglicherweise sogar für eine absolute Mehrheit der Sitze?
Nach der um 18 Uhr veröffentlichten Prognose von Infratest dimap für die ARD erreicht die AfD 44,5 Prozent. Das ZDF kommt mit der Forschungsgruppe Wahlen auf 44 Prozent. Bei der Landtagswahl 2021 hatte die Partei noch 20,8 Prozent erreicht.
Damit erzielt die AfD nicht nur ihr mit Abstand bestes Ergebnis in Sachsen-Anhalt, sondern nach den ersten Prognosen auch ihr bislang stärkstes Ergebnis bei einer Landtagswahl überhaupt.
CDU verliert rund die Hälfte ihrer bisherigen Wähler
Dramatisch fällt das Ergebnis für die CDU aus. Sie kommt sowohl bei ARD als auch ZDF auf nur 18,5 Prozent. Vor fünf Jahren hatte die Partei unter dem damaligen Ministerpräsidenten Reiner Haseloff noch 37,1 Prozent der Stimmen erhalten.
Damit verliert die CDU nahezu die Hälfte ihres damaligen Stimmenanteils und fällt auf ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Der erst seit Januar amtierende Ministerpräsident Sven Schulze konnte den Vorsprung der AfD im Wahlkampf nicht mehr entscheidend verkürzen.
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hatte dagegen im Wahlkampf ausdrücklich das Ziel ausgegeben, mit seiner Partei allein regieren zu wollen.
Grüne legen zu, SPD bleibt auf niedrigem Niveau
Hinter AfD und CDU liegen mehrere Parteien vergleichsweise dicht beieinander. Nach der ARD-Prognose erreicht die Linke 9,5 Prozent, die Grünen kommen auf 9,0 Prozent und die SPD auf 8,0 Prozent.
Das ZDF sieht Linke und SPD bei jeweils 9,0 Prozent und die Grünen bei 8,5 Prozent.
Für die Grünen wäre das ein deutlicher Zugewinn gegenüber den 5,9 Prozent von 2021. Die SPD bewegt sich dagegen weiterhin ungefähr auf dem historisch niedrigen Niveau der vergangenen Landtagswahl, als sie 8,4 Prozent erreichte. Die Linke verliert leicht.
Die FDP, die bislang gemeinsam mit CDU und SPD die Landesregierung bildete, fliegt dagegen deutlich aus dem Landtag. ARD sieht sie bei 2,0 Prozent, das ZDF bei 2,5 Prozent. 2021 hatte sie noch 6,4 Prozent erreicht.
BSW entscheidet möglicherweise über absolute AfD-Mehrheit
Besonders spannend ist am frühen Wahlabend das Ergebnis des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW). Die ARD sieht die Partei exakt bei 5,0 Prozent und damit im Landtag. Beim ZDF liegt sie mit 4,8 Prozent knapp unter der Fünf-Prozent-Hürde.
Das könnte erhebliche Auswirkungen auf die Sitzverteilung haben. Denn ob das BSW in den Landtag einzieht oder nicht, verändert die Zahl der Stimmen, die bei der Verteilung der Mandate berücksichtigt werden.
Nach der ersten ARD-Prognose verfügt die AfD zunächst noch nicht allein über die absolute Mehrheit der Sitze. Ob sich daran im Laufe der Hochrechnungen etwas ändert, hängt neben kleinen Verschiebungen zwischen den Parteien daher insbesondere vom Abschneiden des BSW ab.
Regierungsbildung könnte äußerst schwierig werden
Sollte die AfD die absolute Mehrheit verpassen, zeichnet sich eine komplizierte Regierungsbildung ab. Die anderen im Landtag vertretenen Parteien haben eine Koalition mit der AfD ausgeschlossen. Siegmund wiederum hatte erklärt, sich nur dann zum Ministerpräsidenten wählen lassen zu wollen, wenn seine Partei über eine eigene klare Mehrheit verfügt.
Für CDU, SPD und Grüne reicht es nach den ersten Prognosen ebenfalls deutlich nicht für eine Mehrheit. Die bisherige Deutschlandkoalition aus CDU, SPD und FDP ist bereits wegen des Ausscheidens der FDP beendet.
Damit könnte eine CDU-geführte Regierung nur mit Unterstützung oder Beteiligung der Linken eine rechnerische Perspektive bekommen. Genau eine solche Zusammenarbeit schließt die CDU bislang jedoch ebenso aus wie eine Zusammenarbeit mit der AfD.
Der vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte AfD-Landesverband hat damit jedenfalls bereits nach den ersten Prognosen einen historischen Wahlerfolg erzielt. Ob daraus erstmals eine von der AfD geführte Landesregierung entstehen kann, dürfte sich erst mit den Hochrechnungen im weiteren Verlauf des Wahlabends genauer beantworten lassen.
Stand: 6. September 2026, ca. 18:20 Uhr. Die Angaben beruhen auf den ersten Prognosen von ARD und ZDF und können sich im Verlauf des Wahlabends noch verändern.