Die Botschaft der neuen SPD-Plakatkampagne in Osnabrück ist eigentlich klar: Wir haben geliefert. Straßenausbaubeiträge abgeschafft, Krippenbeiträge gestrichen, Schulen modernisiert, Wohnungen geschaffen. Alles legitime politische Themen. Alles Dinge, über die man sprechen kann und soll. Doch worüber wir ebenfalls sprechen müssen, ist die erstaunlich schlechte Qualität der Plakate selbst.
Ein Kommentar von Dominik Lapp
Die Kampagne wirkt nicht wie die Arbeit einer traditionsreichen Volkspartei, sondern wie ein hastig zusammengeklicktes KI-Experiment. Schiefe Bauklötze in der Kindergartenszene, anatomisch fragwürdige Hände auf dem Campusmotiv – bei KI-generierten Bildern sind fehlerhafte Hände inzwischen fast schon ein Running Gag. Und genau danach sehen diese Motive eben auch aus: künstlich, generisch und unprofessionell. Die Stadt im Hintergrund wirkt zudem so gar nicht wie Osnabrück.
Das eigentlich Bittere daran: Ausgerechnet die SPD setzt offenbar lieber auf billige KI-Bilder statt auf echte kreative Arbeit. Eine Partei, die sich einst als klassische Arbeiterpartei verstand, spart nun offenbar bei denjenigen, die von kreativer Arbeit leben müssen – Fotografen, Grafikdesigner, Illustratoren. Gerade die Sozialdemokratie müsste doch eigentlich verstehen, was es bedeutet, wenn Berufe durch Automatisierung und Kostendruck verdrängt werden.
Natürlich darf und soll Politik moderne Werkzeuge nutzen. KI wird bleiben. Aber wenn eine Partei mit dem Anspruch antritt, für gute Arbeit und faire Bedingungen einzustehen, dann sollte sie vielleicht nicht ausgerechnet bei ihrer eigenen Außendarstellung den Rotstift ansetzen.
Hinzu kommt: Plakate sind keine Nebensache. Sie sind die Visitenkarte einer Partei im öffentlichen Raum. Sie sollen Vertrauen schaffen, Kompetenz ausstrahlen und Menschen emotional erreichen. Wenn die Bilder aber aussehen wie fehlerhafte Stockfotos aus einer Gratis-App, verpufft die Botschaft dahinter. So bleibt am Ende vor allem ein Eindruck hängen: inhaltlich ambitioniert, handwerklich verschenkt.
Typischer KI-Fehler: Die Darstellung von Händen (roter Kreis) mit fehlenden Finger oder Fingerkuppen.
Die Stadt im Hintergrund hat so gar nichts mit Osnabrück zu tun. Wirkt eher wie das Überseequartier in der Hamburger HafenCity. Daran ändern auch die Kirchtürme und die Aufschrift auf den Kartons nichts.
Der „Dom“ im Hintergrund hat zwei unterschiedliche Türme – und das Dach doppelt sich, als hätte der Betrachtende zu tief ins Glas geschaut. In der Kita sind die Bauklötze zudem krumm und schief.
Das ist vielleicht noch das gelungenste Motiv – hätte man aber authentischer haben können.
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