Das ist er also, der „Sommer der Reformen“ – von dem Mann, der die AfD halbieren wollte, der erklärte: „Links ist vorbei“, der im Wahlkampf so vehement gegen eine weitere Verschuldung war … und was weiß ich nicht noch alles.
Ein Element dieser sommerlichen Reformen, zu denen es jetzt bei X – O-Ton Merz (oder eines Praktikanten) – heißt: „Die Zukunft beginnt jetzt.“ Angesichts aktueller Wahlumfragen würde ich sagen: starke Worte von jemandem, der politisch keine Zukunft mehr hat und sich krampfhaft an die Macht klammert. Oder ans Kanzlergehalt. Oder an beides.
Ein Kommentar von HASEPOST-Herausgeber und Arbeitgeber Heiko Pohlmann
Ein zentrales und besonders absurdes Element der Merz’schen Sommerreformen: Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssen künftig bereits ab dem ersten Krankheitstag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen. Formal mag das nicht zwingend bedeuten, dass jeder am selben Morgen in der Arztpraxis sitzen muss – abweichende Betriebsvereinbarungen sind möglich. Praktisch aber heißt es genau das: noch mehr Druck auf ohnehin schon brechend volle Wartezimmer.
Und auch die telefonische Krankschreibung soll wegfallen – ausgerechnet beim Hausarzt, der das, so viel sollte man einem Arzt schon zutrauen, nach bestem Wissen und Gewissen und vor allem in Kenntnis der Vorgeschichte des Patienten beurteilen kann.
Dumm nur – und zugleich völlig absehbar: Eine offizielle Krankschreibung wird dann mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht für einen Tag ausfallen, sondern gleich für eine Woche oder gar zwei. Denn weder Arzt noch Patient haben ein Interesse daran, nach einem Erstbesuch am Folgetag gleich noch einmal aufeinanderzutreffen. Stichwort: volles Wartezimmer.
Nein, meine Mitarbeiter sind kein „Wettbewerbsnachteil“!
Vor allem aber meint Herr Merz – der Kanzler der zweiten Wahl und von Gnaden der SED-Nachfolgepartei, der Kanzler der gebrochenen Wahlversprechen – meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien ein Wettbewerbsnachteil. Denn so begründet er dieses massive Misstrauen gegen Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – und gegen die Ärzteschaft gleich mit.
Sorry, das kann ich als Unternehmer sicher besser beurteilen. Ich vertraue meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern grundsätzlich. Denn nur so funktioniert vertrauensvolle Zusammenarbeit. In was für einer Welt lebt dieser Kanzler eigentlich? In einer Welt, in der er regelmäßig Mittelständler mit Privatflugzeug auf dem Golfplatz trifft? Meine Welt ist das nicht – und die Realität schon gar nicht.
Natürlich gilt auch bei mir: Wer nichts leistet, der fliegt! So, wie Friedrich Merz hoffentlich bald aus Kanzleramt und Bundestag fliegt. Denn der eigentliche Wettbewerbsnachteil ist dieser Kanzlerdarsteller, der ganz offensichtlich bei seinen gelegentlichen Besuchen im Bundestag die Inschrift am Reichstagsgebäude geflissentlich übersieht.
„Dem Deutschen Volke“ steht da. Und diesem Volk dient der „Fotzenfritz“, wie man ihn einst in seiner sauerländischen Heimat zu Jugendzeiten genannt haben soll, schon lange nicht mehr. Wenn ich auf seine Amtszeit zurückblicke: wohl keinen einzigen Tag! Zu lange hat Merz sich als Kanzler der Außenpolitik verstanden. Da hat aber wohl jemand seine Jobbeschreibung nicht verstanden, für die Außenpolitik gibt es einen eigenen Minister – und für Deutschland hat sich Friedrich Merz zu lange nicht interessiert.
